Archiv: Predigt

(Predigttext: Genesis 28, 10-22)

Liebe Gemeindeglieder,
liebe Freunde und Förderer unserer Gemeinde,
liebe Schwestern und Brüder im HERRN,

01c-Bürgerfest-06.09.15 056„ein Traum vom Leben“ – so heißt das Motto unseres heutigen Gottesdienstes. Träume gibt es viele. Deshalb sagt der Volksmund gerne auch „Träume sind Schäume“. Aber welchen Traum würden Sie träumen, wenn Sie wüssten, dass Sie nicht scheitern würden, dass Ihnen alle Türen im Leben offen stünden und dass Sie erreichen könnten, wonach Sie sich schon immer sehnten?

Seit Menschen denken können, können sie auch träumen. Träume und Visionen sind der Fortschrittsmotor der Menschheit. Die Sehnsucht nach Beweglichkeit bringt uns bis in ferne Welten. Träume treiben Menschen an, Altes zu verlassen und das Wagnis der Zukunft einzugehen – manchmal mit Erfolg, manches Mal aber auch mit einem bösen Ende. 

30 Jahre ist es nun her, dass man auf dem Boden des Atlantiks das Wrack der 1912 gesunkenen Titanic gefunden hat. Als Titan der Ozeane sollte es Menschen aus der alten Welt hinüberbringen in die Neue Welt, nach Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Doch dann der Schock: Eine Kollision mit dem Eisberg und über 1.500 Menschen fanden den Tod. Und dann spielte die Band ihr letztes Stück: Hören wir kurz auf diese Melodie. 

Meine Lieben! Vielleicht haben Sie es erkannt: „Näher, mein Gott zu Dir…“ Vielleicht wundern Sie sich, was dies nun mit unserem heutigen Thema zu tun hat? In der zweiten Strophe dieses Chorals spiegelt sich aber die Geschichte von Jakob und der Himmelsleiter wider. Dort heißt es: „Geht auch die schmale Bahn, aufwärts gar steil, führt sie doch himmelan zu meinem Heil. Engel so licht und schön winken aus sel‘gen Höhn: Näher, mein Gott, zu Dir, näher zu Dir!“

Läuft es Ihnen da nicht auch eiskalt den Rücken herunter? Das Unglück der Titanic ist keine singuläre Episode der Geschichte, sondern es wiederholt sich auch in unseren Tagen tagtäglich. Wo?

An den Rändern Europas auf dem Mittelmeer, wo Menschen weniger mit einer Titanic, sondern eher mit Nussschalen versuchen, ihren Traum von einem besseren Leben wahr werden zu lassen. Menschen nehmen unheimlich viele Strapazen auf sich, um sich einen Traum vom Leben verwirklichen zu können. 

01c-Bürgerfest-06.09.15 009Uns Hanauern ist dieser Gedanke besonders nahe. Er ist eingraviert in den Stadtplan. Denn als die ersten wallonischen und niederländischen Glaubensflüchtlinge hierher nach Hanau kamen, da nannten sie die erste befestigte Straße „Im Paradies“. Bis heute gibt es diese Gasse zwischen Französischer Allee und dem Marktplatz. Am Ziel angelangt, vergaßen sie nicht den, der sie bis dahin geleitet hatte. 

Was erleben Flüchtlinge und Fremde heute, wenn sie nach Hanau kommen? Das Theaterstück hat uns mit einem Ausgenzwinkern vor Augen geführt, wie weit Vorstellungen und Realitäten auseinandergehen können. Schnell wird man von der Realität eingeholt. Schade eigentlich. 

Damals war Jakob auf der Flucht. Er befürchtete, von seinem Bruder Esau umgebracht zu werden und verließ seine Heimat. Er hatte eine Sehnsucht nach Leben in sich, die ihn immer weiter trug, aber dann auch wieder den Zweifel, ob er nicht doch von Gott verlassen war. Und dann erschien ihm Gott mitten in der Nacht in einem Traum. 

Gott stand oben an der Spitze einer Leiter und die himmlischen Botschafter stiegen die Leiter auf und ab. Gott hatte Jakob nicht vergessen, wie er auch uns alle nicht vergisst, auch wenn sich das im Leben manchmal anders anfühlen mag. Jakob kämpfte sich im wahrsten Sinne des Wortes mit diesem Gott ab, wenn er einige Kapitel später mit Gott am Jabbok stritt und den Namen Israel erhielt, denn er hatte mit Gott und den Menschen gekämpft und gewonnen (Gen 28).

Im Zweiten Testament gibt es eine interessante und sicherlich bekannte Geschichte, die zum Traum vom Leben irgendwie passt. Eines Nachmittags sprach Jesus am Ufer des Sees  Genezareth  und  die  Volksmenge  drängte  sich,  um seine  Predigt  zu  hören – so etwas wünscht sich natürlich jeder Pfarrer.  

Jesus bemerkte Petrus und einen der anderen Fischer, die in der Nähe ihre Netze wuschen. Jesus stieg in ein leeres Boot und bat Petrus, das Boot vom Ufer abzustoßen, damit er vom Boot aus zur Menge reden konnte. Petrus war einverstanden. 

01c-Bürgerfest-06.09.15 050Dann, als er seine Predigt beendet hatte, sagte Jesus zu Petrus: „Jetzt fahre hinaus, wo das Wasser tiefer ist, und fange Fische.“ „Aber  Jesus“ meinte Petrus, „ich habe mich schon die ganze Nacht abgemüht und nichts gefangen.“ Sicher fängt man an, sich zu fragen, ob überhaupt noch Fische übrig sind. Doch Jesus blieb hartnäckig: „Fahre ins Tiefe und wirf deine Netze aus“. Da tat Petrus, was von ihm verlangt wurde. Und plötzlich spürte er nicht mehr nur das Gewicht des Netzes in seiner Hand, sondern es wurde schwerer und schwerer, das Gewicht eines großen Fanges. 

Ja, alles was Jesus ihm eigentlich gesagt hatte, war: „Fange noch mal von vorne an.“ Was macht man also, wenn man sich mit einer Idee, einem Vorhaben, einem Traum abgemüht hat, gescheitert ist und nichts gefangen hat? Was sagt Jesus? Er sieht einen an, mit den leeren  Netzen in der Hand, und er sagt nicht: „Schade, dumm gelaufen!“ sondern er sagt nur: „Fang von vorne an!“ 

Immer wieder wenn Sie denken, Sie sollten aufgeben, es gibt keine Fische mehr, das Leben ist eigentlich gelaufen, werden Sie von Christus hören: „Fang von vorne an.“ Ja, es ist wahr, dass wir manchmal dazu neigen, enttäuscht zu sein und zu glauben, dass es keine Fische mehr zu fangen gibt.  

Und wir fangen auch nichts. Und wir würden uns einen offenen Himmel wünschen, von dem Gott zu uns heruntersteigt. Aber wir zweifeln. Jakobs Traum lehrt uns jedoch: Beschränken Sie nicht die Größe von Gottes Traum bezüglich Ihres Lebens. Begrenzen Sie nicht das Leben Ihres Traums. Wenn Sie meinen, Ihr Traum wäre tot oder würde gerade sterben und es wird nichts daraus, denken Sie daran, Gottes Träume haben kein Verfallsdatum, sondern eine unheimliche Kraft. Ja! Wagen Sie es, den unmöglichen Traum zu träumen. 


Wagen sie es, an den Hoffnungen festzuhalten. Wie sagt so schön der Apostel Paulus zu den  Römern (und damit habe ich nun, denke ich, alle wichtigen Abschnitte der Bibel kurz gestreift: Erster Bund, Evangelien und nun auch die Briefe): 

„Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung. Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ (Röm 5,4)

Meine Lieben! Was sind Sie bereit, in Ihrem Leben zu riskieren und auszuprobieren? Welche Ziele haben Sie? Wovon träumen Sie? Wie sehen Sie sich selbst? Heute Morgen möchte ich Ihnen allen eine Frage mit nach Hause geben: Welchen Traum würde ich wagen, wenn ich sicher wäre, dass der Versuch mir gelingen würde? 

01c-Bürgerfest-20150906 113947Denken Sie darüber nach. Beten Sie dafür. Und machen Sie sich bereit, entsprechend zu handeln. Gott hat Sie in diese Welt gesetzt. Er hat einen Traum. Öffnen Sie sich. Und haben Sie keine Angst, wenn es auch einmal steinig wird. Dann sagt Christus: „Fang noch einmal an!“

Carissimi! Ich mag ein zuversichtliches Gebet eines bekannten Predigers, das bei mir daheim über dem Schreibtisch hängt: „Herr, wenn ich vor einem Berg stehe, lass mich nicht aufgeben! Gib mir die Kraft weiter zu kämpfen, bis ich den Berg überwunden habe oder einen Weg durch den Berg oder um ihn herum gefunden habe. Wenn meine besten Versuche fehlschlagen, gib mir die Geduld durchzuhalten und die Weitsicht, die Möglichkeiten zu sehen, die mir helfen, meine Probleme mit deiner Hilfe in eine Goldmine zu verwandeln.“

In der letzten Strophe des Titanic-Liedes heißt es: „Ist mir auch ganz verhüllt mein Weg allhier: Wird nur mein Wunsch erfüllt: näher zu Dir! Schließt dann mein Pilgerlauf, schwing ich mich selig auf: näher, mein Gott, zu Dir, näher zu Dir!“

Und Gott sprach zu Jakob: „Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe (Gen 28,15).

Daran glaube ich, davon predige ich und bezeuge es im Namen Jesu Christi. 

Pfarrer Torben W. Telder, vdm

– Es gilt das gesprochene Wort –

Liebe Schwestern und Brüder im HERRN,
liebe Gäste im Tempel unseres Glaubens,

wng hanau 2016 3 4 5 006während die Kinder nebenan nun Masken basteln dürfen, wollen wir etwas nachdenklicher werden und einmal auf das bunte Treiben schauen, was so um uns herum passiert. Heute jedoch sehen wir eigentlich nur auf uns selbst. Fasching und Kostümierungen aus Schminke, lustigen Klamotten und Masken gehören ja zusammen. Gerade hinter einer Maske kann man sich so schön verstecken und wohl die Hochkultur der Maskerade gibt es dieser Tage in Venedig. Oder gibt es sie doch eher woanders und wann anders ?

[Sonnenbrille aufsetzen] Ich weiß nicht, wer die Sonnenbrille erfunden hat. Es war jedenfalls eine äußerst praktische Erfindung. Nicht so sehr, weil durch eine Sonnenbrille die Augen geschont werden. Das ist nur ein Nebeneffekt. Als viel wichtiger hat sich herausgestellt, dass man seine Augen hinter den dunklen Gläsern wunderbar verstecken kann. Die eigenen Augen sehen alles, werden aber selber nicht gesehen. Man kann langsam die Straße entlanggehen, den Passanten ungeniert ins Gesicht blicken, ist aber selbst vor ihren Blicken aufs Beste geschützt. Die Sonnenbrille ist eigentlich eine Maske, die wir das ganze Jahr über, wann immer wir es wollen, aufsetzen können, selbst wenn es regnet oder zu diesig ist.

Ähnlich muss sich ein mittelalterlicher Ritter vorgekommen sein, wenn er an seinem Helm das Visier heruntergeklappt hatte: Er sah durch seinen Sehschlitz alles, wurde aber selber nicht erkannt. Ähnlich müssen sich neugierige Menschen hinter den Gardinen vorkommen: Sie sehen alles, werden aber selber nicht gesehen. Sie bleiben im Dunkeln. Die Sonnenbrille ist die Maske des modernen Menschen. Gäbe es sie nicht schon, sie müsste schleunigst erfunden werden.

Und nun möchte ich meine Sonnenbrille wieder absetzen und etwas Ernstes sagen: Was so manche Leute auf der Straße machen – das Gesicht hinter einer Brille verstecken, den anderen ins Gesicht sehen wollen, ohne das eigene Gesicht dabei zu zeigen – das machen wir, wenn auch auf einer anderen Ebene, ständig alle miteinander. 

wng hanau 2016 3 4 5 007Wir verbergen unsere wahren Gedanken. Wir schirmen uns ab. Wir lassen uns nicht in unser Inneres blicken. Wir alle tragen Masken, oft mehrere auf einmal. Manchmal nehmen wir eine unserer Masken ab, aber dann kommt darunter nur eine neue Maske zum Vorschein. Wir machen die größten Anstrengungen, zu verbergen, was wir in Wahrheit sind. Ja, wir sind nicht bereit, uns dem anderen wirklich zu öffnen.

Dabei verlangen wir aber gleichzeitig gerade von den anderen, dass sie uns entgegenkommen, dass sie uns ihr Herz öffnen, dass sie uns sagen, was sie bewegt und dass sie Vertrauen zu uns haben. Wir wollen das Gesicht der anderen sehen, unser eigenes Gesicht dabei aber nicht preisgeben. Wir wollen ihnen in die Augen blicken – ohne die Maske von den eigenen Augen abzureißen.

Aber das geht nicht. Wenn wir uns hinter unseren Masken verstecken, können wir nicht erwarten, dass andere ihre Masken ablegen. Wie soll denn ein anderer als Mensch mit uns reden, wenn wir ihm unser wahres Gesicht nicht zeigen, sondern ihn durch dunkle Gläser betrachten mit Augen, die nicht zu erkennen sind! Aber verstecken wir uns wirklich hinter Masken, ohne unser Gesicht zu zeigen? 

Bei der Predigtvorbereitung bin ich über ein Buch von Siegfried Lenz gestoßen, der uns etwas anderes über Masken erzählt. In seinem Buch „Die Maske“ erzählt er von einem Studenten, der seine Semesterferien beim Großvater, dem Inselwirt, verbringt. Es ist Sommer geworden. Auf der kleinen Insel in der Elbmündung sind die ersten Feriengäste angekommen und für den Wirt der Gaststätte hat die Saison begonnen. Da peitscht ein Unwetter von der Nordsee über die Insel und als die Menschen sich wieder an den Strand trauen, liegt dort eine große Kiste, im Sturm über Bord gegangen von einem Schiff der China Shipping Container Lines. 

Darin befinden sich Masken, bestimmt für das Völkerkundemuseum in Hamburg. Die Menschen probieren die Masken an, sind plötzlich selbst Drache, Tiger oder Puma. Die vermeintliche Maskierung bringt das wahre Gesicht zum Vorschein. Unter dem Schutz der Masken werden Feindschaften beigelegt, Vorurteile vergessen und eine Liebschaft geknüpft. Die Masken verleihen ihren Trägern neue Identitäten und neue Möglichkeiten.

„Die Dorfbevölkerung stellt fest, dass die Maske ihnen eine bestimmte Freiheit verschafft“, erzählt Lenz. „Eine Freiheit des Sagens, des Anvertrauens, aber auch eine Freiheit des Zorns, der Wut, der Empörung, die man loswerden kann unter der Maske.“ Hinter den Masken verändern sich auch die Menschen. Sie verbergen sich nicht dahinter, sondern machen sich vielmehr kenntlich und zeigen ihr wahres Wesen. Man kann meinen, Lenz wolle uns sagen: „Gib dem Menschen eine Maske und er wird dir die Wahrheit sagen und sein eigentliches Ich zeigen“. 

Welche Maske müsste ich also absetzen oder aufsetzen, um mein wahres Gesicht zu zeigen, um ganz echt zu sein. Und christlich formuliert, um so zu sein, wie Gott mich gedacht hat? Und Gott wollen wir ja auch heute nicht vergessen. 

Manche Tage kommt mir doch der negative Gedanke: Trägt nicht auch Gott Masken? Er ist uns ja verborgen, er lässt uns sein Angesicht nicht sehen. Er will, dass wir mit ihm sprechen, aber er bleibt uns unsichtbar. Er verlangt, dass wir ihm unser Herz öffnen, aber wir bekommen ihn dabei überhaupt nicht zu Gesicht. Gleicht er nicht einem jener unhöflichen Zeitgenossen, die man auf der Straße trifft, die ein Gespräch mit uns anfangen und dabei ihre Sonnenbrille aufbehalten. Will man ihnen in die Augen sehen, so blickt man in zwei dunkle Glasflächen. Ihr Gesicht bleibt Fragment – und es ist unheimlich leer. 

Mit einem, der seine Augen absichtlich verbirgt, kann man nicht sprechen. Man sagt ein paar Belanglosigkeiten und verabschiedet sich. Verabschieden sich deshalb vielleicht so viele vom Glauben: Wir sollen mit Gott ein Gespräch führen; er aber hält sein Angesicht verborgen. Wir sollen ihm unser Herz öffnen, er aber lässt uns ins Leere sprechen. Wie soll man mit einer Maske reden?

Solche Gedanken können einem tatsächlich kommen. Und vielleicht überspielen wir auch mit einem Lächeln unsere Zweifel, wenn wir einmal ein Gespräch über Glaube und Gott mit anderen Menschen führen. Ich sage in solchen Diskussionen, dass, wenn wir wissen wollen, wer Gott ist, wir auf Christus schauen müssen. Wer ihn sieht, sieht den Vater. Und in Christus haben wir ein wunderbares Anschauungsmaterial, wie Gott ist und wie er sich verhält. 

Zurück zu den Masken und zur Sonnenbrille. Manches Mal zwingt einen ja das Leben dazu, zu meinen, wir dürften uns nicht so geben, wie wir sind. Vielleicht haben Sie sich gewundert über die heutige Lesung von den  sieben fetten und mageren Jahre. Aber ist dies nicht unsere Erfahrung? Nicht nur, dass es von Altweiberfasching bis zum Aschermittwoch sieben Tage sind und dann ist alles vorbei, sondern dass es auch in unserem Leben Freuden- und Durststrecken gibt. Und gerade bei Letzteren ziehen wir doch lieber eine Sonnenbrille auf, als unsere verweinten oder verkaterten Augen zu zeigen. 

wng hanau 2016 3 4 5 008Wer andauernd Rollen spielt, der verliert sich ziemlich schnell. Ehen und Partnerschaften, die zerbrochen sind, weil sich einer der Partner oder alle beide in einer Rolle verloren haben, die nicht mehr authentisch war. In wie vielen Familien, Freundes- und Kollegenkreisen kann man nicht mehr miteinander reden, weil sie sich in Rollen hineingesteigert haben: „Ich weiß, wie Du bist!“ und dann da nicht mehr herauskommen. Ehe man sich versieht, ist man der Gefangene einer Rolle. Die meisten entdecken diese Tragödie erst, wenn der Unterschied zwischen der Rolle und ihrem Original zu groß wird. Wer bist du im Original? Trägst Du eine Sehnsucht in Dir, echt sein zu können? 

Ja, wir tragen Masken, weil wir wollen, dass man uns lieb hat und uns anerkennt. Das steckt tief drin. Wir können nicht glauben, dass man uns lieb hat, wie wir wirklich sind, weil wir selbst nicht immer genau wissen, wer wir eigentlich sind und lieber den gesellschaftlichen Normen entsprechen wollen. Wir benutzen Masken, weil wir manches Mal einfach nicht die Kraft haben, wir selbst zu sein. 

In der biblischen Lesung nutzt Joseph die fruchtbaren Jahre, Lebensmittel einzulagern, um sie für die Zeit der Dürre vorrätig zu haben. Fasching erinnert uns vielleicht daran, ausgelassene und fröhliche Stimmungen für die Zeit im Herzen zu bewahren, wo das Leben stumpf und traurig wird. Ja das ganze Leben ist ein Auf und Ab von guten und schlechten Zeiten. Wir alle machen unsere Erfahrungen und das ist auch gut so.

In einem Pop-Song fand ich dazu folgende Strophe: „Wer niemals schwach war, wird nie wirklich stark. Wer nie zu hoch greift, erreicht nie die Sterne. Wenn du nie aufgibst, kommt einmal dein Tag. Wer nie verliert, hat den Sieg nicht verdient. Je dunkler die Nacht, desto  heller der Morgen. Je tiefer der Fall, desto höher der Flug.“ Sie werden gleich sehen, von wem dieser Song ist. [Udo Jürgens: „Wer nie verliert …“]

Also meine Lieben! Genießen wir die Zeit hinter Masken und Sonnenbrillen. Aber seien wir auch stark und mutig, uns dann und wann einmal hinter die Maskerade sehen zu lassen und wir werden entdecken, dass wir uns gar nicht zu verstecken brauchen. Denn es geht kein Mensch über die Erde, den Gott nicht gewollt hat – heißt es in der Weisheit Salomonis. Geben wir den anderen Menschen die Chance, uns auch zu mögen und zu entdecken. 

Im Namen Jesu AMEN!

Pfarrer Torben W. Telder, vdm

– Es gilt das gesprochene Wort –

Liebe Gemeindeglieder und Gäste,
sehr geehrte Vertreter der weltlichen Obrigkeit,
Geschwister im Geistlichen Amt,
Schwestern und Brüder im HERRN,

wie fängt man am besten eine Ansprache zur Inbetriebnahme eines neuen Gemeindezentrums an? Mit den Flops, damit es nur besser werden kann? Oder mit den Tops, damit am Ende die Missgeschicke nicht so sehr ins Gewicht fallen? Oder fängt man an, als der erste Gedanke an ein neues Gemeindezentrum geboren wurde? 

Als kleiner Junge liebte ich es, mit Playmobil oder Legosteinen phantasievolle Kirchengebäude zu bauen. Während andere Bahnhöfe, Bauernhöfe oder andere Gebäuden bauten, stellte ich mir schon damals – naiv natürlich – vor, wie wohl eine optimale Kirche aussehen müsste, die ich auch eines Tages selbst einmal zu bauen beabsichtigte. Mit der Zeit wechselte dieser Traum eines Kirchengebäudes – auch der religiösen Bildung geschuldet –  immer mehr in den Traum, geistlich eine Gemeinde zu bauen und zu prägen. 

Es war der 25. Januar 2007, also vor 9 Jahren, als mich das Große Konsistorium zum 69. Pfarrer seit Kirchengründung nach Hanau berief. Was den wenigsten damals wohl bekannt gewesen sein wird, ist, dass dieser Tag der ökumenische Gedenktag der Berufung des Apostel Paulus gewesen ist. Der biblische Text für diesen Tag spricht davon, dass Paulus berufen wurde, das Christentum auszubreiten und zu stärken, anstatt zu verfolgen. Nichts anderes ist eigentlich auch die Aufgabe eines Pfarrers.

In meinen vergangenen Jahren haben wir gemeinsam einiges auf den Weg gebracht, was unserer Kirche zum Wachstum und zur Stabilität verholfen hat. Wir haben die Idee einer orchestralen Orgel wachsen gesehen, welche für uns sowohl in den Gottesdiensten als auch in den Konzerten eine Bereicherung darstellt. Schon damals merkte ich, dass unsere Kirche und ihre Verantwortlichen Mut beweisen, neue Wege und Wagnisse einzugehen, wofür auch immer unser Dank an die Spender im Hintergrund gilt. 

So ganz hat es mich aber nie losgelassen, doch auch mit Stein an der Kirche Jesu Christi zu arbeiten. Schon mein Ordinationsvers hatte Bauen im Blick, wenn es im Psalm 127 heißt: „Wenn der HERR nicht das Haus baut, so bauen vergeblich, die daran arbeiten.“ So traf es sich, dass vor 5 Jahren schließlich zur gleichen Zeit seitens der Wallonisch-Niederländischen Gemeinde der Wunsch wuchs, näher an die Kirche zu „rücken“ und die Kathinka-Platzhoff-Stiftung ihre Tageseinrichtung für Kinder erweitern wollte. Sie übernahm als Trägerin 2011 das gesamte Areal in der Dammstraße. Der Gemeindegebäudeteil wurde 2012 abgerissen und die Kirchenverwaltung bezog ab Advent 2011 bis heute ein Provisorium in der Steinheimer Straße 2.

In unserem Provisorium in der Steinheimer Straße, gleich hier um die Ecke, haben wir dann begonnen, „Nägel mit Köpfen“ zu machen. Verschiedene Sitzungen des Großen und Kleinen Konsistoriums sowie des Bauausschusses führten die notwendigen Beschlüsse herbei und die Gemeinde wurde auf einer Gemeindeversammlung informiert. Wir haben im Architekturbüro Buchart-Horn einen erfahrenen Partner gefunden, der Erfahrungen mit Gemeindehausbauten hat. 

Zusammen wurden Konzepte und Details entwickelt und ausgeschrieben. Die Stadt Hanau kam uns in den Verhandlungen bezüglich des Erbbauvertrages entgegen und auch die Baugenehmigung wurde zügig erteilt. Die Eckpunkte waren: ein schlicht-elegantes Gebäude, funktional für verschiedene Anlässe, nicht auf das „Ist“ begrenzt, sondern auf das „Mögliche“ ausgerichtet. 

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Und als Kostenrahmen 3 Millionen €: Wenn ich etwas von meinem geistlichen Mentor Robert Schuller in Garden Grove (Kalifornien) gelernt habe, dann, dass es auf eine gute Finanzierung ankommt. Ansonsten kann es eine Gemeinde zersetzen und zerreißen, wenn nur noch Geldfragen und -sorgen den Alltag bestimmen. So heißt es ja auch beim Evangelisten Lukas 14: „28 Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen, 29 damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann‘s nicht ausführen, alle, die es sehen, anfangen, über ihn zu spotten, 30 und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann‘s nicht ausführen?“

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Ich darf heute wohl sagen, dass wir fast alles eingehalten haben, was damals die Zielvorgabe war. Finanziell haben wir meine vorgeschlagene Drittel-Finanzierung durchführen können, da für eine selbstständige Kirche wie die unsrige staatliche Zuschüsse auch erst einmal nicht vorgesehen sind. Sie setzt sich zusammen aus einem Drittel Spenden, einem Drittel Rücklagen und einem Drittel Mittel durch Verkauf und Unterstützung. 

Das erste Drittel finden Sie namentlich erwähnt auf einer Tafel neben dem Eingang zu diesem Saal. Ein besonders herzlicher Dank gilt den heute anwesenden Spendern. Das letzte Drittel ist vor allem der Großzügigkeit der Kathinka-Platzhoff-Stiftung zu verdanken, aber auch die Ernst und Emmy-Meyer Stiftung hat sich an einigen Ausstattungen beteiligt. Und die Rücklagen – nun ja: Diese warten nun darauf, wieder angespart zu werden. 

Als wir im Frühjahr 2014 den ersten Baggeraushub endlich wagten, staunten wir alle nicht schlecht, was dort zu Tage gefördert wurde. Voller Entsetzen und verhaltener Begeisterung stießen wir auf noch intakte Gewölbekeller der ehemaligen Zeichenakademie oder des ehemaligen Wallonischen Gemeindehauses, welches an gleicher Stelle hier gestanden haben mag. Ein großer Schock, denn zum einen musste die Baustelle ruhen und der weitere Aushub konnte nur unter Abstützung der Gärtnerstraße erfolgen – unvorhergesehene Mehrkosten. 

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So liegen heute ziemlich teure Sandsteinstufen und ein Torbogen als Zierde im Garten, hinten neben der Terrasse. Die Zeitverzögerung dagegen ist ein anderes Thema, weshalb wir auch erst heute die Eröffnung feiern können, über ein halbes Jahr später als geplant, aber immer noch vor dem Berliner Flughafen oder der Elbphilharmonie. 

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Lassen Sie mich einen kurzen gedanklichen Streifzug durch dieses Gebäude mit Ihnen unternehmen, welches Sie später alleine erkunden können. Sie betreten das Veranstaltungsgebäude durch den Haupteingang. Wenn Ihr Blick nach oben schwenkt, sehen Sie nicht nur 12 „flying candles“, welche uns an die 12 Apostel erinnern, deren Lehren noch immer die Grundlage für eine Kirche sein sollten. Sie sehen auch das biblische Votum unsere Kirche an der Brüstung: „Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum“ aus dem Psalmisten. Dies erinnert uns an die Inschriften der Empore in der Kirche.

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Sie betreten dann durch die Doppeltüren diesen Saal, den man in drei Segmente unterteilen kann. Der vordere Teil trägt den Namen „Auditoire“. Das Calvin-Auditorium ist eine ehemalige Kapelle in Genf. 

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Ab 1536 hatte Johannes Calvin hier täglich seine biblischen Vorlesungen gehalten. Heute werden in ihm reformierte Gottesdienste in unterschiedlichen Sprachen gefeiert. Auch dies soll hier in diesem Teil des Saales geschehen, weshalb er auch über eine Orgel verfügt.

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Das mittlere Segment des Saales erinnert an Johannes Calvin selbst, jenen für uns wichtigen französischen Reformator, der hauptsächlich in Straßburg und Genf wirkte. Calvin gilt als Begründer des Calvinismus, in dessen Tradition auch die Wallonisch-Niederländische Kirche steht. 

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Der hintere Teil schließlich erinnert an den ersten Züricher Reformator Huldrych Zwingli (1484 bis 1531). Er wollte in Kirchen gänzlich auf Bilder und Musik verzichten, was in späteren Zeiten wieder gelockert wurde. Sein Ansatz war eine strenge bibelzentrierte Reformation. Die Schlichtheit dieses Saales ohne bildliche Darstellungen erinnert an diesen Mann des Glaubens. 

Vielleicht fragt sich mancher, wieso kurz vor dem Luther-Jubiläum nicht auch ihm zu Ehren ein Raum benannt wurde. Ich denke, als reformiertes „gallisches Dorf“ in der hiesigen kirchlichen Umgebung (um es einmal mit Asterix und Obelix zu sagen), ist es zu verkraften, in diesem Punkt einmal die eigene Geschichte hervorzuheben.

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Durch den Flur, vorbei an den großen Bildern der ehemaligen Gemeindehäuser und der intakten Doppelkirche, führt der Weg an den Sanitäranlagen und der großen Küche vorbei, hinüber in das Verwaltungsgebäude. In der Blickachse des Flures sehen Sie nun den Haussegen mit einem kleinen Kreuz, auf dem aus zwei Händen symbolisch ein Baum, eine Palme vielleicht, erwächst.

Nun betreten Sie die Verwaltung mit dem Empfangsbüro, der Buchhaltung, einem kleinen Besprechungsraum, der auch anderweitig benutzt werden kann, und dem Gemeinschaftsbüro von Pfarrerin Berezynski und Kantor Thies, die beide auf Grund ihrer Tätigkeit mehr an anderer Stelle unterwegs sind als am Schreibtisch. 

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Über das hintere Treppenhaus gelangen Sie in das Obergeschoß. Hier hängen die drei Portraits von Landgraf Philipp Ludwig II. zu Hanau-Münzenberg, vom Architekten der Wallonischen Niederländischen Kirche René Mahieu und dessen Frau, der Waltherin. Durch die Flurtür betreten Sie das etwas abgeschirmte Pastorat, in dem Sie von einem Christusrelief aus einer alten abgerissenen Friedhofskappelle in der reformierten Grafschaft Bentheim begrüßt werden, welches ein Nachguss des „Auferstandenen Christus“ von Thorwaldson ist. 

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Auf dieser Etage befinden sich das Pfarrerbüro, die Pfarrerbibliothek und ein weiterer Besprechungsraum, der aber auch irgendwann einmal als weiteres Pfarrerbüro genutzt werden kann. Auch das historische Archiv wird hier seinen Platz finden. Übrigens sind alle Büroräume nach reformiertem Selbstverständnis ungefähr gleich groß, was der Gleichwertigkeit aller Mitarbeitenden entspricht.

Über den Flur erreichen Sie nun zurück im Veranstaltungsgebäude das Sitzungszimmer „Consistoire“. Das Kollegium der Konsistorialen leitet die Gemeinde. Wie auch das Apostelkollegium der Urkirche besteht es aus 12 gewählten Ältesten und Diakonen. In diesem Raum werden dessen Sitzungen stattfinden. Zur Erinnerung an das Erbe befinden sich in diesem Raum sicher hinter Glas verschlossen das wertvolle Calvinportrait und die 10 Gebote Tafel unserer Vorfahren (zurzeit alles in Kopie!).

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Gleich gegenüber betreten Sie die beiden Gruppenräume im Obergeschoss, die man auch zu einem großen Raum abändern kann. Es ist wohl kein Zufall, dass die Pfarrernamen der ersten Geistlichen der wallonischen und niederländischen Gemeinden ein „L“ und „R“ für links und rechts in sich haben. 

Der linke Raum erinnert an Théophile Blevetus (Blevet), der von 1594 bis 1595 der erste Prediger der wallonischen Flüchtlingsgemeinde war. Der rechte Raum erinnert an Christopherus Berbandus, der von 1600 bis 1605 als der erste Prediger der niederländischen Flüchtlingsgemeinde in Hanau wirkte. Natürlich befinden sich auch auf dieser Etage Sanitäranlagen und eine Küche.

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Nun können Sie entweder durch das große Treppenhaus wieder in das Erdgeschoß zurückkehren und sehen unter der Treppe die gerahmte Urkunde der Grundsteinblombe. Oder aber Sie können über eine schmale Treppe zum Dachgeschoss aufsteigen. Dort erwarten Sie die technischen Anlagen und die Lagerräume. Allerdings sind alle verschlossen, um keine Experimente an den Reglern zu erleben. 

Das einzige Highlight ist wohl am Ende des Flures. Nein: leider nicht mein gewünschter Wasserfall, sondern der Fahrstuhl, der Sie hoffentlich sicher wieder nach unten bringen wird. Soweit der Durchgang durch dieses Gebäude. Und wenn Sie sich wundern, weshalb Sie noch keine Möblierung sehen: Der Umzug der Verwaltung wird erst nächsten Monat geschehen.

Ich denke, wir können stolz auf dieses Gebäude sein und auch darauf, dass wir es ohne größere Zwischenfälle und Umplanungen umgesetzt haben. Ein Sinnspruch treibt mich immer wieder persönlich an: „If you can dream it, you can do it!“ Ja: Viele von uns haben daran geglaubt, daran gearbeitet, davon geträumt, ein neues Gemeindezentrum für unsere Kirche für heute und morgen zu realisieren und es ist uns gelungen.

An dieser Stelle ist es mir ein besonderes Herzensanliegen, Ihnen, Herr Lückhardt, meinen Dank auszudrücken und dass Sie so viel Nachsicht mit meinen Ideen und unhandwerklichen pfarrerlichen Vorstellungen hatten. Wie oft sind wir uns manches Mal bis spät abends und am Wochenende hier auf der Baustelle über den Weg gelaufen. Ohne Sie hätte ich, hätten wir das auch nicht geschafft, wofür ich Ihnen an dieser Stelle ganz herzlich Danke sagen möchte.

Meine Lieben, in einem Sitzungsprotokoll von 1852 las ich folgende Notiz: „Die Vorsehung, welche sich dahier eine Kirche wie die unsrige hat gestalten lassen, wird sie auch erhalten, wenn in ihre Glieder mehr Geist kommt, der sie gegründet hat; der Geist der sich selbst aufopfernden Liebe Jesu Christi unseres Heilandes.“

Einige Kraftanstrengungen waren nötig, aber wir haben es geschafft. Vertrauen wir auch weiterhin der Kraft Gottes Großes zu, denn der „Gerechte wird grünen (d. h. doch wachsen) wie ein Palmbaum!“ und Christus verheißt uns: „Und siehe ich bin bei Euch, alle Tage, bis an der Welt Ende.“ Dank sei Gott, dem HERRN. AMEN.

Torben W. Telder, vdm
Es gilt das gesprochene Wort

Liebe Schwestern und Brüder im HERRN,
liebe Gäste im Tempel unseres Glaubens,
werte Konsistoriale im Apostelamt unserer Kirche!

„Herr, wärst Du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben.“ Beliebig können wir diesen Satz ergänzen: „Herr, wärst Du zur Stelle gewesen, meine Mutter hätte keinen Schlaganfall gehabt – mein Vater keinen Herzinfarkt – meine Nachbarin wäre nicht vergewaltigt worden – meine Freundin hätte nicht ihr Kind verloren – unsere Ehe wäre nicht gescheitert.“ 

„Ja, HERR, hättest Du nicht wenigstens einmal aufpassen können, als das Kind vor das Auto lief, die Ärzte die falsche Therapie empfahlen, als der Bauarbeiter vom Kran erschlagen wurde, die Feuerwehr zu spät kam.“ „Mein Gott, war es denn zu viel verlangt, wenigstens in dieser einen entscheidenden Nacht deine schützenden Hände nicht von unserem Sohn abzuwenden?“ 

Gottverlassenheit, meine Lieben, erfahren wir gerade in solchen Momenten, in denen uns Unaussprechliches, Unbegreifliches, schwer zu Tragendes und Ertragendes widerfährt – ohne Vorwarnung, mitten im Leben. Das wirft uns aus der Bahn und auf einmal ist nichts mehr so, wie es eben noch war. Es geht ein Riss durch unser Leben, die Tage werden finster und das Leben fällt schwer. 

Trauer und Verzweiflung, geschockt sein und es langsam zu begreifen, sind nicht einfach zu ertragen. Und schon gar nicht, wenn es mitten unter uns passiert. Wir sehen uns nicht nur mit unserer Trauer konfrontiert, sondern auf einmal mit all den Fragen nach dem Sinn des Lebens, den wir hoffentlich alle irgendwo zu finden vermögen. Wir fragen nach den Momenten auf seinem Lebensweg, die ihn so verzweifelt haben werden lassen, dass er seine Zukunft in seinem Ende sah. Und wir fragen auch nach Gott und seiner Macht, die offensichtlich nach unserem Empfinden auch Grenzen hat. 

So sitzen wir heute Morgen hier zusammen in unserer Trauer und unserem Schmerz, in unserer Wut und unserem Zweifel, in unserer Wortlosigkeit und Verwirrtheit, aber auch in unserer Sehnsucht, dass es das eine gute Wort Gottes hoffentlich geben möge, uns daran zu erinnern, dass uns nichts und niemand trennen kann von der Liebe Gottes, wie es der Apostel an die Römer (8,35f) schreibt: 

„Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Nein, ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ 

Eine zu fromme Aussage, typisch kirchliche Vertröstung? Oder der Grund, auf dem wir wieder wagen können, in das Leben zurück zu finden? 

Meine Lieben, ich habe in den vergangenen Tagen mich auf Entdeckungsreise ins Internet begeben. Und was ich entdeckt habe, hat mich erschreckt. Der Umgang mit suizidgefährdeten Jugendlichen ist in großen Teilen der Bevölkerung ein Tabuthema, das in Familien, in Schulen und selbst bei Fachleuten der Jugendhilfeträger Unsicherheiten auslöst. 

Oft sind es auch verschiedene Probleme, die sich anhäufen und einem Jugendlichen schnell „zu viel“ werden. Die Aufforderung: „Hört, was wir nicht sagen“ beschreibt die Stimmung von suizidgefährdeten Jugendlichen sehr gut.

Es gab eine Auswertung von Abschiedsbriefen, in denen eine Begründung für diesen finalen Schritt gegeben wurde. Gründe wie Verlust eines Elternteils durch Scheidung oder Tod, Probleme in Schule, Ausbildung, Beruf, ernste Erkrankungen, traumatische Erlebnisse, als abweichend empfundene sexuelle Veranlagung, Liebeskummer, Freundschaftsabbrüche, Vereinsamung, Fehlen von sozialer Sicherheit, Abwertungen, das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, Mangel an Selbstwert oder Selbstachtung, ein verzerrtes Selbstbild und einiges mehr. 

Warum ich das hier heute Morgen so detailliert sage: Weil uns gerade als Erwachsene (und ich sage dies ohne Schuldzuweisung, sondern nur als Erinnerung) vielleicht manches Mal ein wertendes Wort über die Lippen geht, das bei dem Jugendlichen, der es hört, eine Welt zusammenbrechen lässt. All die Gründe, die ich genannt habe (und das sage ich heute Morgen bewusst Euch Jugendlichen) sind es nicht wert, aus dem Leben zu gehen. 

Ja, das ist leicht gesagt als Außenstehender. Aber ich möchte den Menschen Mut machen, den Mund aufzutun und sich Gesprächspartner zu suchen, die ein Ohr für die Sorgen haben. Das müssen, ja das können manches Mal nicht die Eltern sein, sondern neutrale Personen, so wie Pfarrer zum Beispiel oder Vertrauenslehrer, Sporttrainer und viele mehr. Egal wer: Macht den Mund auf und redet mit uns über Eure Gedanken, die Euch zu Boden ziehen.

Und ja: Vielleicht tut es auch manches Mal gut, zu beten und Gott vor die Füße zu werfen all jenes, was im Leben schief läuft. Ich habe das früher oft gemacht und tue es immer mal wieder, weil ich den Glauben habe, dass zumindest ER den Überblick behält und Wege aus manchem Scheitern erkennen lässt.

Geschwister im HERRN, früher lehrte die Kirche, dass ein Freitod nicht vergeben werden darf und man bestattete die Toten außerhalb der Friedhöfe, verscharrte sie irgendwo am Rande von Wäldern und Feldern. Die Begründung dafür war, dass der Betreffende dieses Tun nicht mehr bereuen konnte. Und heute?

Gott sei Dank, wir müssen das Unfassbare nicht stillschweigen und aus unserer Mitte verbannen. Denn die Bibel lehrt an keiner Stelle, dass Gott nicht auch hier Gnade walten lässt. Gott lässt seine Gnade durchleuchten durch die Tragödien unseres Lebens. Wir alle machen Fehler in unserem Leben, die uns vielleicht im ersten Moment als richtig erscheinen. 

Gott wird darauf nicht achten am Ende unserer Tage, sondern er wird auf den Menschen schauen, wie er war als Sohn und Bruder, als Enkel und Neffe, als Freund oder einfach als der Junge von nebenan. Und deshalb verstummen in solchen Momenten auch die Fragen nach dem Warum und Wieso, weil sie erst beantwortet werden können, wenn auch wir am Ziel unserer Lebensreise angekommen sind.

Und doch bleibt in uns der stumme Vorwurf an Jesus aus dem Predigttext lebendig: „Herr, wärst du hier gewesen, dann…“. Und unter uns sitzen sicherlich einige, die genauso denken und fühlen wie Marta und Maria vor fast 2000 Jahren: „Ja, was wäre gewesen, wenn….“

Dieses „Wenn“ schaut zurück in eine Vergangenheit, die nicht mehr verändert werden kann. Dieses „Wenn“ macht uns unzufrieden, weil wir es nicht und niemals beantworten können. Und selbst wenn wir eine Antwort auf das „Warum“ fänden, würden dadurch weder unser Schmerz noch unser Verlust noch unsere Trauer leichter werden. Alle „Wenns“ und „Warums“ schauen zurück, der Glaube aber schaut nach vorne.

Mit seinem Vorangehen und Sterben hat für uns eine Zeit der Trauer begonnen. Der Schmerz ist schmerzhaft. Wir können ihn nicht klein reden noch verdrängen. Da müssen wir alle durch. Es ist traurige Wahrheit, dass er von uns gegangen ist, wie so viele andere auch in diesem Jahr durch Krankheit oder Alter. Aber es ist auch Realität, dass unsere Verstorbenen tief in unseren Herzen weiterleben. 

Alles hat seine Zeit und es geschieht nichts ohne Grund und Sinn. Das Leben hat seinen eigenen Rhythmus, es gibt Zeiten für das eine und Zeiten für das andere. Ja, es ist traurig, um jeden Verstorbenen, heute besonders um ihn und wir werden ihn vermissen. 

Aber ich spüre, dass dies nicht das Ende seiner Geschichte mit uns ist, sondern die neue Seite im Buch des Lebens. Und so glauben wir zumindest dass es hinter unseren Tränen und Gefühlen, jenseits des Horizonts eine andere Welt, Gottes Welt, gibt. Unsere Lebensziele sind nicht Trauer und Gräber, sondern eines Tages einzuziehen in den himmlischen Thronsaal. Und wir wollen gerne glauben, dass er nun schon sehen kann, was wir noch glauben müssen. Er hat uns allen also etwas voraus!

Carissimi! Von hier aus führen unsere Wege zurück in den Alltag. Aber wir gehen nicht ohne Hoffnung. Hoffnung, dass unser Leben so viel mehr bereithält, als uns manches Mal vor Augen steht und wir öfters wohl Menschen brauchen, die uns darauf immer wieder aufmerksam machen müssen. Wir haben die Hoffnung, dass er nicht vergessen ist und wir alle reich beschenkt waren, diesem einzigartigen Jungen begegnet zu sein und ihn gekannt zu haben, dass wir seine Wege kreuzen durften, vielleicht nur für einen kurzen Augenblick, vielleicht heute Morgen zum ersten Mal. 

Palme Valentin

Wir gehen in der Hoffnung, dass Gott zur Stelle sein möge, wenn unser eigenes Leben zu schwer wird. Und dass auch wir erleben mögen, wie wir es hoffentlich nun in der Feier des Hl. Abendmahls spüren und wie es Elia in der Lesung erfuhr: „Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes.“

Darauf vertraue ich und bezeuge es im Namen Jesu Christi. AMEN!

Torben W. Telder, vdm

Es gilt das gesprochene Wort

Predigttext aus Jona 2, 1 – 11

Liebe Schwestern und Brüder im HERRN,
liebe Gäste im Tempel unseres Glaubens,
werte Konsistoriale im Apostelamt unserer Kirche,

das Gebet des Jona zur Grundlage einer Predigt am Gemeindegründungsfest zu nehmen, überrascht vielleicht einige von Ihnen. Vielleicht hätten Sie lieber einen dogmatischen Text des Apostels Paulus gehabt, theologisch mit einer schönen Tiefe. Aber vielleicht auch so tiefgehend, dass Sie innerlich in den seligen Kirchenschlaf verfallen wären, wie es ja auch einst Eutyches erging, der einschlief und aus dem Fenster fiel, als Paulus mit seiner Predigt einfach kein Ende fand. Was für eine Blamage für den Apostel!

Zurück zu Jona also. Wir haben einen Abschnitt aus diesem kurzen Prophetenbuch gehört, welchen ich den wenig Kundigen unter uns noch einmal schnell zusammenfassen möchte: Da ist Jona, der von Gott auserwählt wird, der bösen Stadt Ninive den Untergang anzukündigen. 

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Jona hat keine Lust darauf, möchte seine Berufung ablehnen. Und so flieht er vor Gott und als er dann im Fluchtboot ist und Sturm aufzieht, da sieht er ein, dass er nicht fliehen kann und wird von den Seeleuten ins Wasser geworfen. Ein großer Fisch verschluckt ihn und so ertrinkt er nicht. Im Bauch fängt er an, nachzudenken. Und da dämmert es ihm, dass es Gott ist, der einem im Leben Halt und Sicherheit geben kann. Er betet, wie wir gehört haben, und wird wieder zurück ans Land gespuckt.

Und dann ist er wieder dort, Kapitel 3 beginnt damit, als seine Flucht begann. Wieder ergeht der Aufruf an ihn und Jona bricht auf nach Ninive und verkündet das Gericht Gottes für die Schlechtigkeit der Menschen.  Zerstörung sollte die Menschen zur Umkehr bewegen.

In diesem Jahr jährt sich 70 Jahre Kriegsende des vergangenen Weltkrieges. Damit erinnern wir uns aber auch an 70 Jahre Zerstörung unserer einstigen Doppelkirche. Wie war wohl das Gemeindegründungsfest 1945? 

Davon weiß ich leider nichts. Aber ich weiß, was Pfarrer Brölsch – seligen Angedenkens – damals seiner Gemeinde im ersten Friedensgemeindeblatt 1945 geschrieben hat: „Was wir in den letzten Monaten erlebt und verloren haben, ist so ungeheuerlich groß, dass es das Antlitz und die Lebensform derer, die es überstanden haben, für immer prägen wird. Das Geschick unserer Gemeinden wird dem der vor 350 Jahren eingewanderten Wallonen und Niederländer an Not nicht viel nachstehen. 

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Aber es ist uns auch nirgends verheißen, dass wir es als Christen auf Erden besser als andere haben sollen, vielmehr ist unser Leben, wenn „es köstlich gewesen ist, Mühe und Arbeit gewesen (wie es Salomon sagte)“. In dieser Gewißheit haben es die Väter unserer Gemeinden einst gewagt, und so wollen wir auch diesmal fest darauf bauen, dass Gott uns nicht zerstreut, sondern uns sammelt wie ein Hirte seine Herde.“ (GB 1/1945) 

Zurück zu Jona: Die Bewohner von Ninive erschrecken, als sie von der geplanten Zerstörung hören. Der König ordnet eine Umkehr und Buße an. Alle sollen sich in Sack und Asche kleiden. Etwas irritierend: Auch Tiere werden in diesen Bußakt einbezogen. Und so bitten und beten Mensch und Tier gemeinsam und Gott lässt sein Herz erweichen und vergibt. Unser Gott ist kein Gott der Rache, sondern der Vergebung und Zukunft.

Und was ist mit Jona? Jona kann das Gericht Gottes gar nicht schnell genug erwarten und lässt sich auch von der Vergebung Gottes nicht beeindrucken. Er wirft Gott sogar vor, dass er sich den Weg ja hätte sparen können. Vielleicht gibt es doch noch ein letztes Gericht? Er setzt sich auf einen Berghügel in Sichtweite und wartet ab, was mit Ninive geschieht. 

Und Gott lässt eine Staude zum Schatten wachsen, was Jona freut. Aber am nächsten Morgen kommt ein Wurm, der vielleicht so aussieht wie der Steinbeißer von Loriot, sticht in die Pflanze und sie geht sofort ein. Jona ist außer sich. In der Sonne sitzend wünscht er sich den Tod. 

Gott aber fragt ihn, ob er sich zu recht über etwas beschwert, was nicht in seiner Macht liegt, und ob es ihn nicht viel mehr freuen als ärgern sollte, wenn Tausende von Menschen nicht sterben.

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Damit endet das Buch Jona und konfrontiert auch uns mit der Frage, wie wir es mit unseren eigenen Bedürfnissen halten. Ja, es gibt auch persönliche Bedürfnisse in einer Kirche: die Sehnsucht nach einer geistlichen Heimat, nach einem Ort der Annahme und Zugehörigkeit. Aber wehe, der Pfarrer hört einmal nur mit halbem Ohr zu oder irgendetwas geschieht, was mir nicht gefällt oder ganz an mir vorbei geht. 

Dann kann schon einmal ein Fass aufgemacht werden, und zutage kommt eine tiefe Unzufriedenheit. In solchen Situationen würde ich mir Gelassenheit wünschen und mehr den Blick auf das Ganze. Und vor allem – ein schöner Merksatz –: „Sei du selbst die Veränderung, die du gerne erleben möchtest!“ Wer sich also beschwert, dass er nie besucht wird, dass ihm niemand zuhört, dass er nicht richtig dazugehört: Der frage sich einmal, wann er selbst andere besucht, anderen zugehört und sich auch eingebracht hat.  

Jonas Geschichte macht uns darauf aufmerksam. Und sie verweist schon auf denjenigen, der sich selbst nicht zu schade war, unsere Verfehlungen, Fehler und Gottesvergessenheit, theologisch: unsere Sünden, auf sich zu nehmen: Jesus Christus, Haupt unserer Kirche.

Meine Lieben, Jesus als Haupt der Gemeinde – das vergessen wir manchmal. Vor allem dann, wenn in unserem Leben einiges schief geht. Aber finden wir nicht dann, am Ende mit unseren Kräften, nicht doch überraschend noch die Kraft, an einen Gott der Stärke und Veränderung zu glauben? Hat der drohende Untergang nicht auch Ninive bekehrt und auch die Zerstörung unserer Kirche ein neues Gefühl des Zusammenhalts gestiftet? 

In der Predigt zum Gemeindegründungsfest 1948 sagte Pfarrer Pribnow – seligen Angedenkens –: „Und nun seid Ihr heute wieder einmal durch Eure zerstörte Stadt gegangen und steht jetzt in der Ruine Eures einst so stattlichen kostbaren Gotteshauses. Nur Trümmer gewahrt von hier aus unser Auge. So wird uns diese Stätte zum Sinnbild unseres gegenwärtigen Lebens: ein Leben in Trümmern. Wahrlich, viele von uns kennen Not und Gefahr eines solchen Lebens. […] Dreieinhalb Jahrhunderte lang ist in diesem Gotteshaus unseren Vätern und Müttern Weg und Ziel des Lebens gewiesen worden. […] Zur Treue sind auch wir gerufen, Gottes Mitarbeiter und Mitstreiter wollen wir sein. „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein!“ steht über unserem Leben, ebenso verheißungs- wie erwartungsvoll.“ [...] 

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Pribnow weiter: „Wie diese Kirche in der Mitte dieser Stadt gelegen war, so war sie die Mitte unserer Gemeinde. Ihr wart die Gemeinde dieses Gotteshauses. Was Wunder, dass manche mit dem Zerfall dieses Hauses den Zerfall der Gemeinde gekommen wähnten! Aber eine rechte Kirche lebt nicht von Traditionen und Stein und Kult, zumal eine nach Gottes Wort reformierte Gemeinde nicht. Sie lebt aber von Menschen. Von Menschen des Glaubens und der Liebe. […] Wenn wir Menschen bleiben, werden wir die Gemeinde unserer Vorfahren weiterbauen!“ (Predigt 1948)

Jona sieht in Ninive eine veränderte Gesellschaft, einen erstarkten Glauben. Nach 70 Jahren Kriegsende und über 50 Jahren Wiederaufbau des niederländischen Kirchenteils erleben Menschen von nah und fern hoffentlich ein lebendige und einladende, immer noch bewusst selbstständige Kirche. 

Dies alles ist aber kein Selbstzweck oder unsere eigene Idee. Nein: Jesus Christus – wie es der Chor auch gesungen hat – ist der Fels, auf dem alles aufbaut. Damals vor 2 Jahrtausenden sprach er die Menschen besonders an. Es waren Menschen, die über ihre Nasenspitze hinaus denken konnten und die Vorstellungskraft und Glauben besaßen:

Fischer, die sich vorstellen konnten, dass sie noch zu etwas anderem befähigt seien. Eine kranke Frau, die daran glaubte, dass sie geheilt werden könnte. Eine Ehebrecherin, die daran zu glauben wagte, dass aus ihr wieder eine ehrbare Frau würde. Ein betrügerischer Beamter, der es für möglich hielt, dass er sein verlorenes Ansehen zurückgewinnen könne. Und viele andere ...

Und warum fühlte sich Jesus zu solchen Menschen hingezogen? Weil sie es waren, denen er helfen konnte. Und sie waren auch die einzigen, die IHM helfen konnten. Denn er wollte das Unmögliche vollbringen. Er wollte die Welt verändern. Er glaubte, dass er die Welt ändern könne, wenn es ihm gelänge, die richtigen Menschen mit dem rechten Geist zu erfüllen. 

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Und so wuchs sein Team, Mensch um Mensch. Und es wächst bis heute, auch mitten unter uns. [Das war jetzt der Werbeblock für Ihre Mitarbeit – sprechen Sie ruhig die Diakoninnen und Diakone an!]

Die Konfi-Singers werden deshalb auch gleich „We stand united“ singen: „Wir stehen vereint, wir stehen wie eine eins, zusammen mit Gottes Sohn. Jeder von uns ist vorbereitet, mitzuarbeiten und den Leib der Kirche, welcher ist Christus, aufzubauen.“

Christus versuchte, aus den Menschen damals und auch aus uns heute Morgen positiv denkende und handelnde Menschen zu machen: «Wenn ihr Glaube habt wie ein Senfkorn, werdet ihr zu diesem Berge sprechen: Hebe dich weg von hier dorthin! und er wird sich hinweg heben, und nichts wird euch unmöglich sein», sagte er zu ihnen. 

Und von hier aus macht schließlich auch nun der Predigttext Sinn: das Gebet des Jona. Denn in ihm steckt gerade diese Zuversicht und die Hoffnung, dass Gott auf unserer persönlichen, aber auch auf der Seite unserer Wallonisch-Niederländischen Kirche ist.  

„Und Jona betete: (4) Du warfst mich in die Tiefe, mitten ins Meer, dass die Fluten mich umgaben. Alle deine Wogen und Wellen gingen über mich, dass ich dachte, ich wäre von deinen Augen verstoßen, ich würde deinen heiligen Tempel nicht mehr sehen. (7) Ich sank hinunter zu der Berge Gründen, der Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich.   

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Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, HERR, mein Gott! (8) Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den HERRN, und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel. (10) Ich aber will mit Dank dir Opfer bringen. Meine Gelübde will ich erfüllen dem HERRN, der mir geholfen hat.“

70 Jahre seit Kriegsende und 418 Jahren seit Gemeindegründung kommen wir am ersten Juniwochenende zusammen, um Gott für seine Fügung zu danken, unsere Kirche gegründet und bis heute mit seinem Segen begleitet zu haben. Bitten wir ihn auch, dass er in Zukunft gnädig auf das Werk unserer Hände schauen möge. 

Darauf vertraue ich, davon predige ich und dies bezeuge ich im Namen Jesu Christi.

Pfarrer Torben W. Telder, vdm

– Es gilt das gesprochene Wort –

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