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Liebe Schwestern und Brüder im HERRN,
werte Geschwister im Geistlichen Amt,

sind Sie denn alle gut in das Neue Jahr hineingekommen? Haben Sie sich auch schön viele Vorsätze vorgenommen und diese vor allem nicht schon vergessen? Wie war denn das alte Jahr 2012 für Sie und was erwarten Sie von 2013? Wenn ich nun das Mikrofon herumreichen würde, wäre ich gespannt darauf, wie Sie selbst diese Fragen beantworten würden. Aber dann hätten wir ja leider keine Zeit mehr für die Predigt und wir würden zu spät zum Neujahrsgebet kommen. Kaum ist das Jahr 17 Stunden und ca. 15 Minuten alt und schon sind wir wieder im Stress.

Betrachten wir also kurz die Jahreslosung aus dem Hebräerbrief: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Bei einem der Vorbereitungstreffen hat mich Bruder Sommerkamp darauf hingewiesen, dass der biblische Kontext auch beachtet werden sollte, was ich selbst zugegebener Maßen nicht immer so mache, wenn ein Vers so schön griffig ist.

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Aber ein Blick in die Verse vorher und nachher brachten mich dann doch diesem Vers auf eine besondere Weise näher und ich hoffe, ich kann auch Sie davon begeistern. Denn der Abschnitt ist überschrieben in der Lutherbibel mit „Letzte Ermahnungen“ und beschreibt die Dinge, wie sie unter Christen laufen und was man meiden sollte. Hohe Ansprüche, denen eigentlich in Gänze niemand entsprechen kann. Aber man wird doch wohl noch träumen dürfen.

Sie haben doch Träume? Träume, was Sie alles in 2013 erleben, erreichen und vollbringen wollen? Ich sage ja nach mancher Lesung biblischer Texte, die mich stark beeindrucken und inspirieren „WOW“. Den Jüngeren unter uns ist ja vielleicht die SMS-Kürzelsprache vertraut: da steht „lg“ für „Liebe Grüße“, oder „lol“ für „laugh out loud“ also lautes Lachen. Und „wow“ steht für „walking on water“, also auf dem Wasser gehen. Jedes Mal, wenn ich also „Wow“ sage, erinnere ich mich selbst daran, dass mein Glaube eigentlich reichen sollte, im Glauben auf dem Wasser zu gehen.

Fühlen Sie sich so? Oder gehe ich recht in der Annahme, dass einige das neue Jahr anfingen und heute Abend hier hereinkamen und sich überhaupt nicht so fühlen, als könnten sie auf dem Wasser gehen. Einige sind hierhergekommen und sind entmutigt. Sie sind finanziell angeschlagen. Sie tragen eine gesundheitliche Last mit sich herum. Sie sind emotional beladen.

So geht es vielen Menschen. Ich bin sicher, wenn wir die Hände heben würden, würden viele sagen: „Ja, ich bin heute mit so einer Last gekommen“. Dann ist die Jahreslosung genau das richtige Wort, das Sie hören müssen: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

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Deshalb möchte ich, dass Sie von hier weggehen voller Glauben, erfüllt vom Möglichkeitsdenken und dem Glauben, dass Gott und auch Sie Ihre Umstände verändern können. Einem Glauben, der Wunder wirkt,  einem Glauben, der Berge versetzt, wie Jesus sagte. „Wenn ihr Glauben habt so groß wie ein Senfkorn und sagt zu dem Berg: Hebe dich weg. Was wird der Berg dann tun? Dann bewegt er sich und euch wird nichts unmöglich sein.“

Meine Lieben! Können Sie das glauben? Die Frage ist doch: Würden Sie ein Wunder erkennen, wenn Sie mittendrin sind? Wie viele von uns verpassen die Wunder, die gerade in unserem Leben geschehen, weil sie verlernt haben, daran zu glauben?

Im 2. Korintherbrief 5, Vers 7 steht: „Lebt im Glauben, nicht im Schauen.“ Lebt im Glauben, nicht im Schauen. Manchmal müssen wir, um Wunder zu erkennen, im Glauben und nicht im Schauen leben. Was heißt das? Um im Glauben und nicht im Schauen zu leben, müssen Sie die drei Grundlagen eines starken Glaubens lernen, die sich vor allem im ersten Teil der Jahreslosung widerspiegeln: „Wir haben hier keine bleibende Stadt!“

Das Erste ist: Sieh weg von Deinen alltäglichen Umständen. Wenn Sie ständig nur auf Ihre Umstände sehen, und nicht auf Gott, werden Sie nie sehen, wie sich die Wunder um Sie herum entfalten.

Ich liebe die Geschichte aus dem 2. Buch Mose (2. Mose, Kapitel 14).  Der Hebräerbrief ist ja ein Brief, der den Glauben auch aus den Erfahrungen des Volkes Israel heraus erklärt. Dort kann man lesen:  „Die Israeliten liefen trockenen Fußes durch das Meer. Links und rechts türmte sich das Wasser zu einer Wand auf.“ Wir alle können uns das Bild vorstellen.

Stellen Sie sich vor: Jetzt stehen Sie am Ufer des Roten Meeres und Sie sind in dieser Situation. Sie sehen die ägyptischen Soldaten, die auf Sie zurasen. Vor Ihnen liegt ein Tal voller Wasser, so hoch wie diese Kirche vielleicht, oder der Kirchturm von Mariae-Namen. Und Ihr menschlicher Verstand sagt Ihnen: „Entweder sterbe ich durch ein Schwert oder ich ertrinke, weil diese Wasserwände sicher nicht meinetwegen stehen bleiben werden.“

Was würden Sie tun? Ich würde durch das Wasser gehen, es zumindest versuchen, denn Gott hat doch eine Zukunft versprochen! Und tatsächlich – zumindest damals – wurde das rettende Ufer erreicht!

Aufschauen also. Das Zweite eines starken Glaubens ist: Vertrauen Sie wesentlich mehr Gott, als Sie es vielleicht bereits tun! Ich liebe diese Stelle in Matthäus 7, die Verse 7 - 11: „Bittet und es wird euch gegeben, sucht und ihr werdet finden, klopft an und die Tür wird euch geöffnet. Denn jeder, der bittet, empfängt und wer sucht, der wird finden, und wer anklopft, dem wird geöffnet.“ Ja, so ist das im Leben. Wir müssen bereit sein zu bitten, zu suchen. Rechnen Sie damit, dass Gott etwas in Ihrem Leben bewirken kann, wenn Sie ihn mit einbeziehen.

Aufschauen – Vertrauen – und dann kommt der dritte und schwerste Teil des Glaubens: Gott die Lösung zutrauen! „Die bleibende Stadt“ nämlich, die in der Jahreslosung genannt wird, suggeriert uns Sicherheit, weil wir uns darin auskennen. Gott verheißt uns aber etwas Größeres!

Wenn Sie zu Gott beten, sind Sie dann auch bereit, ihm zu vertrauen, was die Auswirkungen auf Ihr Leben angeht?  Auf diese Frage kann uns das Evangelium des heutigen Abends eine Antwort geben, in dem Christus spricht: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“

Nicht wir selbst also, Geschwister im HERRN, können auf alle Fragen des Lebens alle Antworten geben. Und allein auf uns selbst gestellt und  unseren Fähigkeiten vertrauend, können wir oftmals mutlos werden. Die Jahreslosung lädt uns aber ein zu träumen: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

Ja. Wagen Sie es, in 2013 den unmöglichen Traum zu träumen, Hoffnung nicht aufzugeben und sich auf die Zukunft zu freuen. Wagen sie es, an den Zusagen Gottes festzuhalten, und machen Sie sich selbst nicht klein. Und geben Sie vor allem Gott die Gelegenheit, Sie weiter zu segnen mit einem überraschenden neuen Jahr 2013. Er, der zu Ihnen sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“

Denn „wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Vielleicht werden wir nicht alles erreichen, was wir uns vorgenommen haben. Vielleicht werden wir auch darin versagen, so zu leben, wie sich der Apostel eine christliche Gemeinschaft vorstellt, wie er es im Hebräerbrief schreibt.

Vielleicht werden wir vor manchen Entscheidungen und Begegnungen Angst haben. Aber ich möchte mich gerade dann daran halten, wie der Apostel selbst einige Verse zuvor unter Zitation des Psalms 118 sagt: „So können wir getrost sagen (Psalm 118,6): »Der Herr ist mein Helfer, ich will mich nicht fürchten!“

Darauf vertraue auch ich, predige davon und bezeuge es im Namen Jesu Christi! Ihnen allen ein gesegnetes Jahr 2013. AMEN!

Torben W. Telder, vdm
Es gilt das gesprochene Wort.