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Liebe Schwestern und Brüder im HERRN,
iebe Freunde und Förderer unserer Kirche,

Portrait Pfarrer Telder 2018 web

vielleicht staunen Sie über diese Sonderausgabe des Gemeindeblattes? Es ist „nur“ ein Rundbrief statt des üblichen Heftes. Das liegt daran, dass uns Corona vieler Dinge beraubt hat, die wir Ihnen meistens im Gemeindeblatt mitteilen, wie zum Beispiel Rück- und Ausblicke. 

Während ich diese Zeilen schreibe, sind wir mal wieder in einem Lockdown, aber vieles wird geöffnet und die Zahlen sinken. Ich habe mal den Scherz gehört „noch zwei Lockdowns, dann ist schon wieder Weihnachten!“. Manchmal befürchte ich, dass daran etwas Wahres sein könnte. Nach über einem Jahr Pandemie haben wir alle Spuren davon getragen. In meinen Gesprächen erfahre ich davon, dass mancher von Ihnen auf dem Zahnfleisch geht und am Ende mit seiner Geduld ist. Homeschooling zehrt an den elterlichen Nerven und Alleinstehende sehnen sich nach Begegnungen. Menschen sind niedergeschlagen und nur noch schwer aufzuheitern. Auch wir in der Gemeinde sind davon nicht unberührt. Kurzarbeit macht uns als Mitarbeitende bewusst, was alles entfällt und viel wichtiger, dass uns die Gemeinde fehlt. 

Der Kontakt über das Telefon ersetzt nur schwer die persönliche Begegnung. Auch für mich als Pfarrer ist es eine unschöne Situation. Mir fehlen die Diskussionen mit den Konfirmanden, das ungezwungene Gespräch beim Hausbesuch, die geselligen Runden der Senioren am Mittwoch. Auch die Vorträge und Literaturveranstaltungen mussten wir bisher schweren Herzens immer wieder absagen/verschieben. Da ist eine Taufe oder die Mitteilung einer Geburt eine freudige Abwechslung, wenn ansonsten nur bei Krankheit und im Sterbefall der Pfarrer „gebraucht“ wird. 

Was das Konsistorium aber freut, ist die stabile Teilnahme an den Gottesdiensten. Die versammelte Gemeinde hat sich leicht verändert, teilweise hat sie sich sogar verjüngt. Dabei übersehen wir aber nicht, dass langjährige Gottesdienstteilnehmende noch nicht wieder den Weg in die Kirche gefunden haben. Sie sind nicht vergessen! 

Im Jahreskalender unserer Kirche hätte mittlerweile die Jubelkonfirmation stattgefunden. Das Gemeindegründungsfest steht an und auch Pfingsten mit der Feier der Konfirmation wäre ein Höhepunkt im Jahreskreis gewesen. Noch einmal wird dies alles in diesem Jahr ausfallen. Aber daran merke ich, dass man sogar das vermissen kann, worunter man manches Mal zusammen mit den Ehrenamtlichen gestöhnt hat: Die Vorbereitungszeit und den Arbeitsaufwand für unsere schönen Feste.

Und so laufe ich manchmal durch das Gemeindezentrum, schalte die leere Spülmaschine an und betätige die Toilettenspülungen, damit alles noch funktioniert und nicht einrostet, wenn wir denn endlich wieder die Türen weit öffnen dürfen. 

Letztens habe ich mich an das Kirchenlied aus den 1980ern erinnert, welches mancher von Ihnen vielleicht auch noch kennt. Es ist das Lied „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“. Mittlerweile wird es nicht mehr oft gesungen. Aber schon der erste Satz erinnert uns an die Aufgabe von Kirche: nicht im Hafen ankern, sondern hinausfahren auf das offene Meer und in den Stürmen und Flauten Kurs zu halten. Corona hat uns irgendwie seit über einem Jahr ins Trockendock versetzt – zumindest kommt es mir so vor. 

Die letzte Strophe allerdings macht mir und auch hoffentlich Ihnen Hoffnung: „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit. Das Ziel, das ihm die Richtung weist, heißt Gottes Ewigkeit. Und wenn uns Einsamkeit bedroht, wenn Angst uns überfällt: Viel Freunde sind mit unterwegs auf gleichen Kurs gestellt. Das gibt uns wieder neuen Mut, wir sind nicht mehr allein. So läuft das Schiff nach langer Fahrt in Gottes Hafen ein!“

Lassen wir uns also die Hoffnung und die Freude auch in dieser Zeit nicht nehmen. Glauben wir an eine bessere Zukunft: für uns selbst, für unsere Lieben, für unsere Kirche und für unsere ganze Welt.

Einen entspannten Sommer wünscht Ihnen von Herzen

Ihr 

Torben W. Telder, vdm - Pfarrer