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Liebe Gemeindeglieder,
liebe Freunde und Förderer unserer Gemeinde,
liebe Schwestern und Brüder im HERRN,

Portrait Pfarrer Telder 2018 web

dieses Gemeindeblatt wird Sie nicht ganz pünkt- lich zum Monatsanfang erreichen. Dafür ist es aber wieder in der gewohnten Form. Wir sind auf dem Weg zurück zu einer vermeintlichen Normalität. Und doch müssen wir feststellen, während ich diese Zeilen schreibe, dass die Inzi- denzwerte wieder steigen und damit auch eine Unsicherheit, wie sich das auf unser persönliches, auf das öffentliche und ebenso kirchliche Leben auswirken wird. Wir haben die Hoffnung, dass die Ankündigungen in diesem Gemein- deblatt eingehalten werden können, aber wir haben dies nicht in unserer Hand. Schauen Sie deshalb bitte regelmäßig auf unsere Homepage, die Aushänge oder in die Presse, ob es Änderungen gibt.

Wir sind im zweiten Corona-Jahr. Vieles hat sich verändert und nicht immer konnten wir dabei alles selbst bestimmen. Fremdbestimmtheit widerspricht doch dem freien Willen des Men- schen. Dabei kommt mir ein Psalmwort (93, 1) in Erinnerung: „Der Herr regiert!“. Wo haben wir in der Vergangenheit die Macht Gottes erlebt? Die diesjährigen Konfirmierten werden davon in der abgedruckten Predigt berichten. Es lohnt sich ein Blick auf die Gedanken der nachwach- senden Generation unserer Kirche!

Und dennoch bleibt die Frage: wenn der Herr regiert, was macht das mit uns? Vielleicht än- dert es unsere Denkart? Zunächst haben wir Menschen nicht alles unter Kontrolle, wie wir es gerne hätten. Wir müssen anderen vertrauen und mehr denn je achtsam sein, wem wir unser Vertrauen schenken. Das andere ist, wie wir uns unser Leben wünschen: ein ewiger Lock- down, ein Ausschließen von Risiken, oder aber ein Leben, das auch Gefahren und den Tod kennt? Weiter geht es auch um unser geistliches Leben. Die Statistik zeigt, dass es nie mehr depressive und suizidale Jugendliche gab als zurzeit. Eine Generation scheint aus der Bahn geworfen zu sein, und das nach „nur“ einmal knapp zwei Jahren. Ich glaube nicht, dass Gott der Welt die Pandemie geschickt hat. Gott will das Leben und nicht den Tod seiner Kreaturen. Ich glaube aber, dass uns Gott etwas durch die Pandemie sagen kann: wie gehst DU mit Deinem Leben um? Wie gehst DU mit Deinen Mitmenschen und Deiner Umwelt um?

Immer wieder kommt die Frage auf, inwiefern es Einschränkungen bei unseren Veranstaltungen gibt. Der Gottesdienst als Zentrum unseres kirchlichen Lebens ist bisher ohne Auflage (bis auf die AHA-Regeln) zu besuchen. Bei anderen Zusammenkünften haben wir G-Regeln eingeführt. Unser Anliegen ist es, möglichst wenig Menschen a priori auszuschließen und die Ent- scheidungen des Einzelnen zu respektieren. Die Gewissensfreiheit ist ein hohes Gut nicht nur in der reformierten Tradition.

„Der Herr regiert!“ Im Vertrauen, dass Gott weiter schaut, als wir es überblicken können, wollen wir in die Advents- und Weihnachtszeit gehen. Und in diesem Vertrauen wollen wir auch in das neue Jahr 2022 gehen, welches ein Ju- beljahr für unsere Kirche sein wird. Seit 425 Jahren behaupten wir uns selbstständig in der Stadt Hanau und sind ein geistlicher Ort für die vielen Menschen, die unsere Gemeinschaft aus- machen. Halten wir an diesem Vertrauen fest, vor allem dass wir an einen Gott glauben, der uns das Leben (wieder) in Fülle verheißen hat.

Herzlich grüßt Sie

Ihr 

Torben W. Telder, vdm - Pfarrer