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Liebe Gemeindeglieder,
liebe Freunde und Förderer der Gemeinde,
liebe Schwestern und Brüder im HERRN

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vielleicht hätten Sie ein anderes Titelbild dieser aktuellen Ausgabe erwartet. Es hätte etwas herbstliches, etwas weihnachtliches sein können oder etwas zum Jahreswechsel. Stattdessen sehen Sie zwei Würfel und darunter die (verkürzte) Aussage Albert Einsteins: „Gott würfelt nicht!“ In meinen seelsorgerlichen Begegnungen bekomme ich oftmals etwas Gegenteiliges von den Besuchten erzählt. Da macht sich ein Empfinden breit, welches oftmals den scheinbar willkürlichen Willen Gottes nicht versteht. Was soll man auch bei einer Krebserkrankung sagen, beim Tod des Lebensbegleiters, bei all den persönlichen und weltweiten Katastrophen? In solchen Momenten ist es mir nur möglich, die Spannung gemeinsam auszuhalten und weiterhin nach einem Sinn hinter all dem Schweren zu suchen. Mich tröstet, dass Gott an keiner Stelle der Bibel uns Menschen eine heile Welt versprochen hat. Dass er uns Menschen aber sein Da-Sein versprochen hat, denn „wenn ich im finsteren Tal wandle, fürchte ich kein Unglück, denn DU bist bei mir.“

Hinter der Aussage Einsteins steckt ja auch vielmehr die Einsicht, dass wir vielleicht nicht den ganzen Sinn des Lebens begreifen und die Zusammenhänge der Welt verstehen werden. Vielmehr dürfen wir aber darauf vertrauen, dass Gott die großen Zusammenhänge lenkt und eben nichts dem gewürfelten Zufall überlässt. Die Theologie versteht darunter die Vorsehung Gottes.

Seit meinem Amtsantritt in der Wallonisch-Niederländischen Kirche glaube ich immer stärker an die Vorsehung Gottes. Genährt wird dieser Glaube durch unsere über 400 Jahre anhaltende Erfolgsgeschichte. Das ist nichts Neues, denn in einer Konsistoriumsnotiz von 1852 heißt es: „Die Vorsehung, welche sich dahier eine Kirche wie die unsrige hat gestalten lassen, wird sie auch erhalten, wenn in ihre Glieder mehr Geist kommt, der sie gegründet hat; der Geist der sich selbst aufopfernden Liebe Jesu Christi unseres Heilandes. 

Die kommende Zeit wird von Weihnachten und dem Jahreswechsel geprägt sein. Als Gott Mensch geworden ist, war es kein Zufall, dass dies in einer armseligen Behausung in armseligen Verhältnissen geschehen ist und dass die Hirten die ersten Zeugen wurden. Kann es denn eine hoffnungsvollere Verheißung geben, als dass Gott so gering anfängt und am Ende der Sieger über Leben und Tod ist? Kann dies für unser aller Leben nicht so viel heißen wie, dass – ganz gleich, woher wir kommen und welche Ausgangsmöglichkeiten wir haben - uns allen das Leben offen steht und viele Träume noch verwirklicht werden wollen? Gibt unsere Kirche und die Biographie mancher Familien bei uns davon nicht ein reiches Zeugnis?

Deshalb: „Gott würfelt nicht!“ Er sieht eben manches Mal weiter, als wir selbst. Und er hat dort noch eine Möglichkeit offen, wo wir uns schon am Ende fühlen. Lassen Sie sich in der kommenden Zeit einladen, diesem Gott in der Krippe von Bethlehem und im neuen Jahr zu begegnen.

Ihnen meine besten Wünsche aus der Dammstrasse

Pfr. Torben W. Telder