Textgröße:
A- A A+

„Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Johannes 14,1


Liebe Schwestern und Brüder im HERRN,

ein neues Jahr beginnt und so sind wir hier zusammengekommen, um in diesem Moment Kraft zu schöpfen und Gott die Ehre zu geben. Ob wir ihn an erste Stelle nicht nur an diesem ersten Tag des neuen Jahres stellen oder auch an erster Stelle in unserem Leben, dies ist die Entscheidung jedes Einzelnen unter uns.

Die Jahreslosung für 2010 lädt uns alle ein, bewusst im Glauben unser Leben zu leben. Der erste Vers aus dem 14. Kapitel im Johannesevangelium steht im Zusammenhang mit den Abschiedsreden Jesu an seine Jünger. Ich lese diesen Vers nicht im Kontext, sondern lasse ihn für sich selbst stehen, denn er ist so voller Kraft, dass ich dies als ausreichend empfinde: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ (Johannes 14,1)

Zwei Dinge, die mir sofort ins Auge stechen, sind folgende: Der Vers beginnt mit: „Euer Herz erschrecke nicht!“ Das erinnert mich an die Weihnachtsbotschaft, die wir hoffentlich nicht schon wieder vergessen haben. An verschiedenen Stellen werden Menschen auch aufgefordert, nicht zu erschrecken: Maria bei der Erscheinung des Engel Gabriels, Joseph im Traum und die Hirten auf den Feldern. Immer beginnt der Engel seine Botschaft mit: „Habt keine Angst!“ Warum ist das wohl so?

Ich denke, weil die Botschaft Gottes einem Angst machen könnte, wenn man sie alleine von außen betrachtet. Wieso sollte ein junges Mädchen keine Angst haben, wenn sie durch den Heiligen Geist schwanger werden soll? Wieso sollte ein vermeintlich betrogener Ehemann keine Angst haben, wenn er aufgefordert wird, zu seiner Frau zu stehen? Wieso sollten Hirten, Ausgestoßene der Gesellschaft, keine Angst bekommen, wenn ihnen verheißen wird, dass sich ihre Lebensumstände ändern werden?

Sie alle haben ihre Ängste und Befürchtungen überwunden, haben den Ruf Gottes angenommen und haben Großartiges erlebt. Woher ich das weiß? Weil es anders nicht möglich wäre, heute Abend im Jahre 2010 als Christen hier zusammenzukommen. Deshalb gehört auch immer sehr viel Mut zum Glauben.

Damit bin ich beim zweiten, was mir an der Jahreslosung auffällt: Gleich zweimal wird das Wort „glauben“ verwendet. Wir alle, so wie wir in diesem Moment hier zusammensitzen, verstehen etwas anderes darunter. Der eine versteht eine lebendige Christusbeziehung, ein anderer ein Fürwahrhalten einer übernatürlichen Wahrheit. Mancher Kritiker sagt: „Glauben heißt Nichts wissen.“

Als reformierter Christ möchte ich an dieser Stelle nach dem reformierten Grundsatz: „Scriptura sui ipsius interpres“ (Die Heilige Schrift legt sich selbst aus) die Bibel nach einer Antwort fragen, was Glaube ist. Ich habe im Hebräerbrief eine tolle Antwort gefunden.

Dort lesen wir: „Der Glaube ist die feste Zuversicht auf das, was wir erhoffen und ein Überzeugtsein von dem, was wir nicht sehen.“ (Hebräer 11,1) Wow ... was für ein Zuspruch und eine Hoffnung im Leben.

Ich weiß, viele von Ihnen haben sich Ziele für 2010 gesetzt. Viele nennen sie auch gerne ihre guten Vorsätze fürs neue Jahr. Ich benutze nicht so gerne das Wort Vorsätze. Mir gefällt die Idee, Neujahrsziele zu formulieren, besser, weil dabei der Schwerpunkt darauf liegt, etwas zu erreichen und nicht nur, es zu versuchen. Auch ich habe Ziele, sowohl persönliche wie auch in unserer Kirche. Wird es ein erfolgreiches Jahr werden, für jeden einzelnen, für uns gemeinsam, für die Ökumene in Hanau?

Was sind also Ihre Ziele? Was sind unsere Ziele im ökumenischen Miteinander als Kirchen und Gemeinden? Und werden wir sie erreichen, alle – teilweise – keines? Wenn Sie nur die Hälfte Ihrer Ziele erreichen, heißt das, Sie sind ein Versager? Ich glaube nicht. Aber leider tragen wir noch immer die Benotungssysteme unserer Schulzeit mit uns herum, wo es hieß: Du musst 50% schaffen um zu bestehen und mit 80% bist du erst gut. Wenn du 90% oder mehr schaffst, bist du ausgezeichnet.

Aber so ist das Leben einfach nicht. Wenn Sie im Leben nur ein oder zwei für Sie großartige Dinge schaffen, reicht das völlig. Bei allem anderen können wir versagen und es stört niemanden. Eine armselige Kreatur, die sich am Misserfolg der anderen freut. Der Glaube ist die feste Zuversicht auf das, was wir hoffen. Welche Hoffnungen, welche Träume, welche Sehnsüchte haben Sie? Was würden Sie tun, wenn Sie nicht versagen könnten?

Ich weiß nicht, wie Ihr Leben im kommenden Jahr ausschauen wird, welche Wege Sie einschlagen und welche Entscheidungen Sie treffen werden. Tun Sie es einfach, wagen Sie etwas! Und haben Sie den festen Glauben, dass Gott an Ihrer Seite ist, wenn Sie ihn denn in Ihr Leben eingeladen haben. Es gibt viele Situationen im Leben, in denen der Glaube wichtig ist. Von dreien erzähle ich meinen Konfirmanden, um sie aufs Leben vorzubereiten:

Da ist eine Operation und die Chancen stehen 50:50. Der Glaube stärkt die Hoffnung, dass die Operation gut ausgehen wird. Gut nicht im Sinne von medizinisch erfolgreich, sondern gut im Sinne von pro Leben, statt unendlichem Leid. Da ist zum Beispiel ein verliebter Mensch, der seiner Angebeteten eine Liebeserklärung machen möchte. Wieder 50:50, entweder die Liebe des Lebens in den Arm zu nehmen oder als Trottel dazustehen. Der Glaube schenkt einem die Überwindung, die Liebe zu erklären. Ein weiteres Beispiel ist die Situation, in der viele einen fertig machen - durch Gewalt oder Worte. Der Glaube schenkt die Kraft, die Courage, aufzustehen und einzuschreiten oder Hilfe zu holen und nicht wegzublicken. „Euer Herz erschrecke nicht!“

Ich weiß nicht, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich keinen Glauben an Gott hätte. Ich weiß nicht, welche Richtung es genommen hätte und ob ich dann heute Abend hier vor Ihnen stehen würde. Weil ich aber Gott in Jesus Christus begegnet bin, weiß ich, dass ER mich angenommen hat und mich auf dem Lebensweg begleitet, trotz meiner Ecken und Kanten. ER ist es, der mich von meinen Ängsten befreit und aus den Sackgassen des Lebens zurückruft.

Ich weiß, dass Christus mich liebt, und ich weiß dieses, weil es mir die Bibel sagt und ich es in diesem Moment gemeinsam mit Ihnen spüre. Jetzt ist die Stunde, in der wir alle Gott selbst begegnen und er uns auf ein Neues zum Glauben ermutigt. Meine Lieben, der Glaube an Gott in Jesus Christus ist das Licht meiner Welt, selbst wenn meine Welt im heillosen Durcheinander unterzugehen droht. Christus ist das lebende Versprechen, dass wir niemals alleine sind.

Ganz gleich, wo wir in unserem Leben stehen, egal, was wir meinen, an Leistung vorbringen zu können; unabhängig, wie nahe wir uns an Gott halten – als treue Kirchgänger oder distanzierte Skeptiker – Gott liebt uns bis in alle Ewigkeit, mal voller Freude, und dann auch einmal voller Traurigkeit. Deshalb steht über dem neuen Jahr dieser Kraft spendende Vers: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Denn: Der Glaube ist die feste Zuversicht auf das, was wir erhoffen und ein Überzeugtsein von dem, was wir nicht sehen.

Dies bezeuge ich im Namen Jesu Christi.
AMEN

Torben W. Telder, vdm
es gilt das gesprochene Wort

 

wng_02