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Liebe Schwestern und Brüder im HERRN,
Freunde des Waldes und der Jagd,
Gäste im Tempel unseres Glaubens,

kennen Sie Eustachius? Jenen frommen Mann aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert? Nicht? Vielleicht eine kleine Hilfe: (Zeige Hubertustropfen- und Jägermeisterflasche). Wenn Sie Eustachius bis dato noch nicht kannten, wird es höchste Zeit, Sie mit ihm bekannt zu machen, denn sehr oft wird er mit Hubertus verwechselt, nach dem der heutige Gottesdienst ja benannt ist.

Im Ökumenischen Heiligenlexikon kann man Folgendes lesen: Die Legende berichtet von Eustachius, der vor seiner Bekehrung Placidus hieß, dass er Jäger und Heermeister einer Legion in Kleinasien unter Kaiser Trajan war. Eines Tages erschien ihm bei der Jagd auf einer Felskuppe ein Hirsch, der zwischen seinem Geweih den Gekreuzigten Christus in großem Strahlenglanz trug. Placidus stürzte vom Pferd und hörte die Worte: „Warum verfolgst du mich? Ich bin Christus, der den Himmel und die Erde erschaffen hat, ich ließ das Licht aufgehen und teilte die Finsternis.“ Die Erscheinung wiederholte sich anschließend auch bei seiner Frau in der Nacht. Christus erschien Placidus ein zweites Mal, Placidus ließ sich nun mit seiner Frau Theopista und den Söhnen Agapius und Theopistus taufen, dabei erhielt Placidus den Namen Eustachius, das heißt „Der Standhafte“.

Die Prüfung, die Christus ihm bei der zweiten Erscheinung vorausgesagt hatte, trat ein: Eine Seuche tötete alle Knechte und Mägde, alles Vieh, Räuber überfielen das Haus, mit Frau und Kindern konnte Eustachius nur das nackte Leben retten. Sie bestiegen ein Schiff nach Ägypten, der Fährmann begehrte die Frau als Lohn, Eustachius verweigerte dies und wurde ins Meer gestürzt, aber er kam dennoch mit seinen Kindern an Land.

Dort musste er einen Fluss überqueren; er brachte erst den einen Sohn hinüber, aber während er noch mitten im Fluss stand, um den anderen zu holen, schleppte ein Wolf den einen, ein Löwe den anderen davon. Bauern verjagten den Wolf, Hirten den Löwen, und sie nahmen die Jungen in ihre Dörfer mit, wo sie getrennt aufgezogen wurden. Eustachius kam in ein anderes Dorf, wo er sich als Knecht verdingen musste.
Kaiser Trajan, von Feinden bedrängt, vermisste seinen Feldherrn Placidus und ließ ihn in allen Landen suchen. Nach 15 Jahren fanden ihn die Ritter und führten ihn mit großen Ehren zurück. Er musste nun neue Mannschaften werben, unerkannt kämpften seine Söhne im siegreichen Feldzug an seiner Seite. Bei der Rast erkannten sich die Söhne als Brüder; das geschah im Haus einer Witwe, die ihr Gespräch belauschte – sie war die Mutter, ging zum Heermeister und wurde von diesem als seine Frau erkannt. Alle kehrten zusammen nach Rom zurück.

Trajans Nachfolger, Kaiser Hadrian, nahm Eustachius und seine Familie mit einem großen Ehrenmahl in Empfang. Am nächsten Tag sollte eine Opferfeier für den Sieg stattfinden, aber Eustachius und die seinen weigerten sich, teilzunehmen. Sie wurden einem Löwen vorgeworfen; der aber neigte sich vor ihnen. Da ließ der Kaiser sie in einen Kessel stoßen unter dem Feuer brannte. Darin gaben sie ihren Geist auf, aber ihre Leiber fand man nach drei Tagen unversehrt.  Christen bestatteten sie und bauten eine Kirche darüber.

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Eustachius‘ Legende von der wunderbaren Bekehrung und den Leiden auch der ganzen Familie kam aus dem Orient über Griechenland und Süditalien im frühen 11. Jahrhundert in den Westen, wo sie sich aber schnell mit der Legende des Hubertus vermischte.

Angebliche Gebeine von Eustachius ruhen in einem kostbaren Sarg in der nach ihm benannten Kirche in Rom, Reliquien sind auch in der nach ihm benannten Kirche in Paris.

Eustachius gehört zu den 14 Nothelfern der römisch-katholischen Kirche.

Geschwister im HERRN, was haben nun Hubert und Eustachius gemeinsam, dass man sich ihrer im Jahre 2012 erinnert und dies auch noch in einem reformierten Gottesdienst? Beide Männer finden zunächst auf der Jagd zum Glauben durch eine göttliche Offenbarung in/an einem Tier. Und beide Männer durchleben aufgrund dieses gewonnenen Glaubens viele Schicksalsschläge und doch blieben sie Gott, ihrem Schöpfer, dankbar und treu.

Das erinnert mich an das Psalmwort aus Psalm 104: „31 Die Herrlichkeit des Herrn währe ewig! Möge der Herr sich freuen an seinen Schöpfungswerken! 32 Er braucht die Erde nur anzublicken, und schon erbebt sie, rührt er die Berge an, dann rauchen sie. 33 Zur Ehre des Herrn will ich singen mein Leben lang, für meinen Gott musizieren, so lange ich bin. 34 Möge mein Denken und Sinnen ihm gefallen! Ja, ich will mich erfreuen am Herrn.“

Der Hubertusgottesdienst ist also nicht der Anlass, sich darüber auszutauschen, welche neuen Gewehre es gibt, welche Jagdquoten und wie viele Reviere neu zu vergeben wären, sondern es ist ein Angebot an uns alle, wie wir es mit unserem Glauben halten, angesichts des menschlichen Wirkens in Gottes Schöpfung.

Der Psalmist zählt die Werke der Schöpfung auf und immer wieder kommt er dazu, Gott für seine wunderbaren Taten zu loben. Immer, wenn es in der Bibel um das schöpferische Handeln Gottes geht, geht es immer auch um ein Loben und Preisen dessen, dem wir die Schöpfung zu verdanken haben.

Darum geht es auch völlig am Kern der Sache vorbei, wenn wir uns mit den Naturwissenschaftlern darüber streiten, ob die Entwicklung der Erde nun Milliarden von Jahren gedauert hat oder ob Gott alles in 7 Tagen geschaffen hat, ob Mensch und Affe gemeinsame Vorfahren haben oder ob der Mensch auf Adam und Eva zurückgeht. Das alles sind Themen, über die man sehr nüchtern diskutieren kann, wo man das Für und Wider abwägen muss und dann seine Entscheidungen trifft, aber keine Fragen, an denen sich der Glaube entscheidet.

Die wirklich entscheidende Frage ist eine andere: kann ich hinter all dem Gottes Wirken noch erkennen? Sehe ich durch das Geweih das Kreuz oder nicht? Gebe ich Gott als dem Schöpfer die Ehre - auf welchem Wege auch immer er die Erde und das Leben erschaffen haben mag - oder meine ich, dass es irgendwie doch alles Zufall ist, dass mein Leben, die Natur und die gesamte Schöpfung nur durch reinen Zufall entstanden ist?

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An dieser Stelle lohnt sich das Streiten wirklich, denn es macht einen gewaltigen Unterschied, ob wir nur Zufallsprodukte sind oder geliebte Kinder des allmächtigen Vaters. Wenn wir nur Zufallsprodukte sind, dann macht das Loben des Schöpfers, das Danken für die Schöpfung keinen Sinn. Dann gibt es da niemanden, dem wir danken könnten, niemanden, der sich für unsere Dankbarkeit interessiert, niemanden der unseren Dank verdient hätte. Wir wären nichts weiter als Staubkörner in den unendlichen Weiten des Universums, bedeutungslos.

Dies mag für sich so glauben wer will, ich finde es wesentlich erbaulicher, dem Weg der Bibel zu folgen und in den Wundern der Schöpfung das Werk des Schöpfers zu entdecken. Und nebenbei entdecke ich noch, dass es meiner Seele ausgesprochen gut tut, Gott zu loben.

Meine Lieben! Bei allem Lob über Gottes Schöpfung darf man eines nicht vergessen:

Wir leben selbstverständlich nicht im Schlaraffenland, wo die fertig gebratenen Tauben durch die Luft fliegen. Ohne menschliches Zutun gäbe es sicherlich immer mehr von dem, was umgangssprachlich Unkraut heißt, als vom Getreide. Gott schmeißt die Pflanzen und Tiere nicht einfach so vom Himmel, sondern es muss eine Menge menschlicher Arbeit hinzukommen. Es muss gesät und gepflanzt, gepflegt und begrenzt werden, damit dieses Wunder der Natur den Menschen auch zu Gute kommen kann.

Auch für den Wald und die Jagd gilt deshalb besonders:  Es geht um Pflege und Hege der uns umgebenden Schöpfung, die von uns Menschen gebraucht und genutzt wird. Deshalb ist die Jagd wichtig für die Bewahrung der Population innerhalb der Natur, wie es der Bauer für die Felder und der Arzt für die Menschen sein kann. Ja, welche Möglichkeiten werden uns Menschen geschenkt, nicht nur Schlechtes und Verderbliches, sondern gerade auch Kreatives und dem Leben Dienendes zu tun.

Gottes ziemlich perfekte Schöpfung kann man nur bewundern und bestaunen. Die Schöpfung Gottes ist aber auch mehr als Pflanzen und die Tiere dieser Welt. Denn auch wir alle sind selber Bestandteil dieser Schöpfung. Der Mensch steht nicht außerhalb der Schöpfung als Betrachter, sondern ist selber Teil der Schöpfung.

Was den Menschen allerdings unterscheidet von allen anderen Geschöpfen ist, dass der Mensch in der Lage ist, diese Schöpfung zu zerstören. Das ernst gemeinte Lob der Schöpfung Gottes ist deshalb nicht denkbar ohne das Streben danach, diese Schöpfung zu bewahren. Wer Gott, dem Schöpfer dankt, kann Gottes Werk nicht der Zerstörung durch andere preisgeben, sondern muss sich einsetzen für die Erhaltung dieser wundervollen Natur, der Umwelt, des Ökosystems Erde oder kurz der Schöpfung Gottes.

Carissimi! Wenn der Mensch ein Teil dieser Schöpfung ist, die er erhalten und bewahren muss, dann gilt dies auch für den Umgang mit den Mitmenschen, die Mitgeschöpfe sind. Wer den Schöpfer lobt, muss die Schöpfung bewahren. Wer aber die Schöpfung bewahren will, der muss sich auch für den Frieden auf Erden einsetzen. Das Kreuz im Hirschgeweih strahlt auch über jedem Menschen mitten unter uns oder am Rande unseres menschlichen Blickwinkels.

Das Lob des Schöpfers, es steht im Mittelpunkt von Psalm 104. Das Lob des Schöpfers, es kann und sollte uns begleiten, heute beim Feiern dieses Hubertusgottesdienstes und in unserem Alltag. Ein kurzes „Gott sei Dank!“, das uns scheinbar eher zufällig auf die Lippen kommt, so wie wir manchmal vielleicht gedankenverloren uns mit einem Jägermeister zuprosten, kann ein Anfang sein, in ein großes Loben der Schöpfungsmacht und -kraft Gottes einzustimmen, so wie es der Verfasser in Psalm 104 macht:

„Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich, der Herr freue sich seiner Werke! Ich will singen dem Herrn mein Leben lang und loben meinen Gott, so lang ich bin.“

Davon gebe ich Zeugnis und tue es im Namen Jesus Christus. AMEN

Torben W. Telder, vdm
Es gilt das gesprochene Wort.