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Predigten

Die Gnade des Auferstandenen und der Friede Gottes sei mit Euch allen! Halleluja!

Liebe Schwestern und Brüder im HERRN,
liebe Gäste im Tempel unseres Glaubens!

Frohe Ostern. Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Ja, wir feiern die Auferstehung unseres HERRN Jesu Christi und es ist ein herrlicher Morgen, um die Gegenwart unseres auferstandenen Herrn Jesus Christus hier zu erleben. Denn dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat, lasst uns froh und glücklich sein. Von der Dunkelheit haben wir uns zum Licht aufgemacht und nun umscheint es uns.

Osternacht ist neben der Christnacht die liturgisch dichteste Feier, die wir Christen haben. Während des Sonnenaufgangs haben wir hier in der Dämmerung die Texte des Ersten Bundes von Befreiung und Auszug gehört, uns dann am Osterfeuer das Osterevangelium zusprechen lassen und sind dann unter Glockengeläut in die wundervoll geschmückte Kirche eingezogen –vielen Dank unserem Küsterehepaar Grimaudo, Frau Tierling an der Orgel und den Sängern schon jetzt. (Applaus)

Hören wir einen weiteren Auferstehungsbericht aus Johannes 20, 1-18.

Meine Lieben! Ostern ist der große Tag der Christen. Der ganze Tag? Es fällt auf, dass die Osterberichte dem Beginn dieses Tages besondere Aufmerksamkeit schenken. Johannes betont, dass Maria Magdalena zum Grabe kam, als es noch dunkel war, ebenso ist den anderen Evangelisten wichtig zu sagen, dass es früh am Morgen war, als die Frauen zum Grab eilten.

Der Übergang von der Nacht zum Tag, von der Dunkelheit zum Licht hat unmittelbar mit dem zu tun, was mit Auferstehung Christi und unserer eigenen Auferweckung gemeint sein kann. Maria von Magdala war die, aus der Jesus die bösen Geister ausgetrieben hatte, in der es selbst einmal stockfinstere Nacht war. Es muss für sie wie das Aufgehen der Sonne gewesen sein, als Jesus in ihren Lebensraum eintrat und ihn hell machte.

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Wenn wir in unser eigenes Leben schauen: Ist es nicht so, dass jeder Mensch, der in unser näheres Umfeld tritt und dieses beglückend ausfüllt, wie eine aufgehende Sonne ist? Wenn zwei Menschen einander als liebenswert und liebenswürdig entdecken, ist doch alles anders geworden. Es ist doch wie ein Erwecktwerden aus einem Schlaf, in dem unser Wesen bisher dahin dämmerte. Dasselbe können Eltern sagen, denen zum ersten Mal ein Neugeborenes entgegen lächelt.

Auf diesem Hintergrund dürfen wir den Bericht von der Begegnung Marias von Magdala mit dem Auferstandenen verstehen: Für sie ist die Sonne aufgegangen, überwältigender und leuchtender als es sich je zwischen Menschen ereignen kann. Das Entscheidende geschieht, als Maria mit ihrem Namen gerufen wird. Vorher waren ihre Augen blind, ihr Wesen von Traurigkeit und Leid verschlossen. Dieser ganz persönliche Anruf war es, der alles verändert hat. 

Ihr Name, so ausgesprochen, wie von niemand und nie zuvor – das war die Erfüllung ihrer Sehnsucht, das war: endgültig verstanden, endgültig angenommen sein. Das war ein Wachwerden in Innenräumen, die sie noch nie zuvor gekannt hatte. Wenn wir je etwas verstehen wollen von dem, was mit Auferstehung gemeint ist, dann das eine: wir werden wie Maria mit unserem Namen gerufen, liebend und verstehend. Mit all dem, was unsere Lebensgeschichte ausmacht, mit all dem Leid, den Umwegen und Irrwegen, mit den Enttäuschungen und mit den Hoffnungen. Es wird uns gesagt, dass wir ohne Einschränkung vom höchsten Wesen erkannt sind, als Frau, als Mann verstanden, bejaht, erfüllt, dass wir die sein dürfen, die wir im Innersten sind, einmalig und doch in der Nähe aller.

Wenn sich so etwas in einem Leben ereignet – wenn die tiefste Sehnsucht erfüllt wird, dann ist es Tag geworden im Leben eines Menschen. Deshalb wurde auch Christus die „Sonne der Gerechtigkeit“ genannt. 

Wir haben dazu unsere Einwände, weil wir immer noch mit unserer Finsternis konfrontiert sind, sogar noch mitten darin stecken in unserer Unsicherheit, Verlassenheit, Traurigkeit wie Maria von Magdala. Verheißen aber bleibt, dass es endgültig ganz und gar einmal Tag wird. 

Die Auferstehung Jesu ist der Schlüssel für die letzte Frage des Menschen, die ihn immer wieder quält und umtreibt: Was ist nach dem Tod? Wird es ewig aus sein, d. h. ewig Nacht sein? Oder ist da noch etwas, was kommt? Das Undurchschaubare, das Endgültige, das Unumkehrbare ist es, das Angst macht. Die Erfahrung der ersten Christen war die: es gibt einen Übergang von der Finsternis zum Licht, von der Nacht zum Tag; jetzt schon. 

Die frühen Christen haben diesen Übergang erlebt, als sie Christus begegneten. Ihre Überzeugung war, dass der Tod nur mehr der letzte Schritt von vielen schon getanen ist, von der Enge in die Freiheit, von der Verlassenheit in die Nähe und Geborgenheit, vom Schlaf zum Erwachen, von der Nacht in den Tag.

In Maria von Magdala sind die große Sehnsucht und die große Liebe und die große Erwartung dargestellt. Wenn wir etwas von ihr haben, heißt das: wir freuen uns auf den nächsten Tag, wir sind gespannt, was auf uns zukommen wird, wir lassen uns überraschen. Dies wird Christus tun, dessen können wir gewiss sein.

Wir haben am Osterfeuer eben gesungen: „Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.“ Ostern ist das Fest des neuen Mutes. Gott gibt seine Welt nicht auf, Gott schenkt Trost, immer wieder neu. 

Mit dieser Hoffnung wollen wir in dieser frühen Morgenstunde Dich, lieber Max, taufen. Es gibt wohl keinen schöneren und auch früheren Moment, in dem dies geschehen kann als am Ostermorgen. Und auch wir bereits Getaufte können uns in dieser Stunde unsere Taufe neu ins Bewusstsein rufen. Auch Dich spricht heute Morgen besonders Gott an, denn dazu passend hast Du Dir aus Jesaja Deinen Taufvers ausgesucht: „Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du bist mein!“ (Jes 43, 1). Gott hat auf Deine Antwort gewartet, die Du nun heute im „Ja“ der Taufe geben wirst. 

Carissimi! Der Heidelberger Katechismus fragt: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“ Und er gibt die Antwort: „Dass wir mit Leib und Seele Jesu Christi eigen sind!“ Und zwar mit einer solchen Hoffnung im Herzen, dass sie uns zu Getrösteten und Tröstern macht. Wo auch immer wir im Leben stehen – ob es mehr Karfreitag ist oder bereits voller österlicher Freude, ob es mehr dämmrig ist oder schon die Morgenröte anbricht. 

Gott spricht Dich, lieber Max, und uns alle heute Morgen besonders an. Und wenn Gott uns mit Namen anspricht, macht er diesen Ostertag zu einem wirklichen Fest- und Freudentag. „Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten?“ „Er ist auferstanden. Er ist nicht hier.“ Doch, ER ist hier – mitten unter uns und wir feiern wie damals Maria gemeinsam mit ihm das Leben. Ja, Leben, dass auch dunkle Momente und Krisen bereit hält, aber sich dennoch immer wieder nach der Zukunft ausstreckt, in der unsere Wünsche und Träume wahr werden mögen – wider den Augenschein vielleicht. 

Frohe Ostern, liebe Gemeinde! Frohe Ostern dem Dorf, der Stadt, dem Land, der ganzen Welt. Urbi et Orbi! Frohe Ostern, denn der Herr ist auferstanden, er lebt! Halleluja – AMEN!

Pfr. Torben W. Telder, vdm

-es gilt das gesprochene Wort-

Gehalten in der Epiphaniaszeit

Liebe Schwestern und Brüder im HERRN,
liebe Gäste im Tempel unseres Glaubens,
liebe Konsistoriale im Apostelamt unserer Kirche,

was spricht dagegen, dass der christliche Glaube ein „Märchen“ oder eine Fabel ist, wie wir es eben in der Lesung aus dem Petrusbrief (2. Petrus 1, 16-21) gehört haben? Es gibt ja bis heute Zeitgenossen, die genau das behaupten und es in vielen Büchern, Zeitschriften und Zeitungen veröffentlichen: Die biblische Botschaft ist ja auch so ungeheuerlich, dass sie immer wieder auf Unglauben und Skepsis stößt. 

Selbst bei Menschen, die eigentlich für den Glauben offen sind, wird immer wieder manches in Zweifel gezogen. Und tatsächlich ist es unglaublich, aber wahr, was an Weihnachten oder an Ostern passierte: eine volle Krippe und ein leeres Grab. Beides für die Welt unglaublich, für den Glauben Realität. Glaube und Realität: In dieser Spannung bewegt sich die Religion. Sie betrifft sowohl die diesseitige, als auch die jenseitige Welt und streift dabei das Menschliche, die Wissenschaft, unser ganzes Sein und Denken. Deshalb ist der Glaube auch keine Fabel oder ein Märchen. 

Predigttext: "Der Barmherzige Samariter" (Lukas 10, 25-37) 

Liebe Schwestern und Brüder im HERRN,
liebe Gäste im Tempel unseres Glaubens,
liebe Konsistoriale im Apostelamt unserer Kirche,

wng hanau 2018 12 2019 01 02 32wenn wir uns heute an den 200ten Geburtstag von Louis Appia erinnern, dann im Wissen, dass er zwar Kind unserer Wallonisch-Niederländischen Kirche war, aber eigentlich viel zu kurz, um wirklich durch uns geprägt worden zu sein. 

Sein Vater, Paul Joseph Appia, kam 1811 als zweiter Pfarrer an die Wallonische Kirche nach Hanau. Er stammte aus den Waldensertälern in Piemont und blieb acht Jahre hier. Zum Bedauern der Gemeinde wechselte er 1819 zur Frankfurter Französischen Gemeinde, die ja eigentlich unsere Mutterkirche ist und bis heute besteht. 

Trotz des Wechsels blieb ein reger Kontakt bestehen: er wurde zu Gastpredigten und -vorträgen eingeladen. Unsere Annalen, soweit sie noch vorhanden sind, sagen nicht viel über das Wirken dieses Pfarrers. Und dies bedeutet vor allem, dass er nicht negativ aufgefallen ist. 

Louis war das dritte von sechs Kindern. Getauft wurde er hier auf den Namen Louis Paul Amédée Appia. Ein Bruder sollte später in der Heimat des Vaters auch Pfarrer werden.  So war wohl Kindheit und Jugend aller in einem Pfarrhaus für das weitere Leben prägend, besonders eben auch für Louis Appia.

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Predigttext aus Lukas 19, 28-40

Liebe Schwestern und Brüder im HERRN,
liebe Gäste im Tempel unseres Glaubens,
liebe Konsistoriale im Apostelamt unserer Kirche,

nur damit wir es nicht vergessen (noch einmal): 73 Jahre ist es her, dass der nur 20 Minuten dauernde Nachtangriff der Royal Air Force, die jahrhundertealte Innenstadt Hanaus in eine Trümmerwüste verwandelte und über 2000 Menschen das Leben kostete. Bis heute prägen diese wenigen Minuten das Gebäude der Wallonisch-Niederländischen Gemeinde, zeigt es doch noch Wunden und Risse eines so sinnlosen Krieges. 

Liebe Schwestern und Brüder im HERRN,
liebe Gäste im Tempel unseres Glaubens,

die närrischen Tage liegen wieder vor uns. Überall herrscht wieder ausgelassene, bunte, feucht-fröhliche Stimmung. Das ganze Fernsehprogramm scheint nur noch ein Thema zu kennen und auch die Zeitungen zeigen das bunte Treiben. Es wird geschunkelt und getanzt.

Um Tanzen geht es auch im heutigen Predigttext. Da kommt zusammen, was ansonsten scheinbar in der Bibel nicht zusammen passt: ein lauter Umzug mit Musikkapelle; ein ausgelassener, freizügiger König; eine ironische Frau; scheinbar ein respektloser Umgang mit heiligem Gerät. Karnevalsstimmung also auch in der Bibel, die uns eher nüchterne Calvinisten ansteckt?